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  Foto: ddp, ddp
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Afghanistan: Vier Bundeswehrsoldaten getötet

VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 15.04.2010 - 21:31

Kundus (RP). Knapp zwei Wochen nach dem schweren Gefecht nahe Kundus sind im Norden Afghanistans am Donnerstag wieder Bundeswehrsoldaten bei einem Angriff der Taliban getötet worden. Fünf wurden verletzt, zwei davon schwer.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) befand sich auf dem Rückflug über Usbekistan nach Deutschland, als ihn die Nachricht von dem Überfall erreichte. Der Minister flog sofort nach Afghanistan zurück. Er sei „tief traurig” und wolle an der Seite der Soldaten sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte in San Francisco, die Bundesregierung halte weiter an der Mission fest: „Das ist ein schwieriger Einsatz, der aber der Sicherheit unseres Landes dient.”

Gegen zwölf Uhr deutscher Zeit (14.30 Uhr Ortszeit) war bei Baghlan rund 100 Kilometer südlich von Kundus eine deutsche Patrouille von Unbekannten beschossen worden. Das Verteidigungsministerium in Berlin bestätigte, dass bei dem Überfall vier deutsche Soldaten starben und fünf weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Die Verwundeten wurden mit amerikanischen Rettungshubschraubern in das Feldlazarett des Bundeswehr-Stützpunkts in Masar-i-Sharif geflogen.

Kampfhandlungen dauern an

Erschüttert äußerte sich auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP): „Ich verurteile diesen hinterhältigen Angriff mit aller Schärfe. Er traf die gefallenen Soldaten, er trifft uns, er trifft alle Deutschen.” Betroffen reagierten auch die Spitzen der Oppositionsparteien, wobei die Linke ihre Forderung nach Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan bekräftigte.

Die Kampfhandlungen in Baghlan dauerten am Abend offenbar noch an. Die Taliban hatten aus dem Hinterhalt vermutlich mit einer Panzerfaust auf einen deutschen Geländewagen geschossen. Die Soldaten sollen zum kleinen Wiederaufbau-Team in Faisabad gehören.

Nähere Angaben zu der Operation, in deren Rahmen die deutschen Soldaten gemeinsam mit belgischen und afghanischen Truppen eingesetzt waren, machte das Verteidigungsministerium nicht. In der Provinz Baghlan, die sich zu einer Hochburg der Taliban entwickelt hat, finden nach Angaben der afghanischen Behörden heftige Kämpfe mit rund 400 Taliban-Kämpfern statt.

Die Stadt Baghlan in der gleichnamigen Provinz im Nordosten hatte am 6. November 2007 traurige Bekanntheit erlangt, als bei der feierlichen Eröffnung einer Zuckerfabrik durch ein Bombenattentat der Taliban 75 Menschen starben, darunter 60 Kinder.

Aschewolke stoppt Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zunächst erwogen, ihre USA-Reise wegen der neuen Todesfälle kurzfristig abzubrechen und nach Berlin zurückzukehren. Wegen der Behinderungen des Flugverkehrs über Europa durch die Aschewolke aus Island verzichtete sie aber darauf. Bei ihrer Rede vor der Stanford-Universität in der Nacht zu gestern wollte sie aber noch einmal auf die jüngsten tödlichen Zwischenfälle eingehen.

Zuletzt war die Bundeswehr am Karfreitag bei Kundus in ein schweres Gefecht verwickelt worden. Drei Fallschirmjäger aus Niedersachsen starben beim Schusswechsel und durch eine Sprengfalle. Im Rahmen einer bewegenden Trauerfeier in der Kirche von Selsingen hatten auch Merkel und Guttenberg von den Gefallenen Abschied genommen.

Der Bundeswehr-Verband zeigte sich gestern tief betroffen von dem erneuten tödlichen Angriff. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden der Gefallenen”, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Soldaten-Vertretung, Wolfgang Schmelzer.

Er begrüßte die Entscheidung Guttenbergs, das deutsche Kontingent in Afghanistan mit Panzerhaubitzen und weiteren schweren Waffen zu verstärken. Zugleich kritisierte Schmelzer jedoch: „Es macht uns alle sehr betroffen, dass es erst des Todes und schwerer Verwundungen weiterer Kameraden bedurfte, um diesen überfälligen Schritt zu gehen.”


 
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