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Wegen "Völkermord"-Erklärung
Türkei ruft Botschafter in Österreich zu Beratungen zurück

Völkermord: Türkei ruft Botschafter in Österreich zu Beratungen zurück
FOTO: afp, ADM/QL
Ankara. Das türkische Außenministerium hat in ungewöhnlich aggressiver Form auf die Erklärung des Parlaments in Österreich zum "Völkermord" an den Armeniern vor 100 Jahren reagiert. Zuvor hatte die türkische Regierung ihren Botschafter aus dem Land zurückbeordert.

Die türkische Regierung hat nach der österreichischen Parlamentserklärung zum "Völkermord" an den Armeniern ihren Botschafter in dem Land zu Beratungen zurückbeordert.

"Es ist klar, dass die Erklärung des österreichischen Parlaments die türkisch-österreichische Freundschaft dauerhaft beflecken wird", hieß es am Mittwochabend in einer Mitteilung des türkischen Außenministeriums. Das österreischische Parlament habe weder das Recht noch die Befugnis, heißt es darin weiter, die türkische Nation entgegen dem Gesetz und der historischen Wahrheit eines Verbrechens zu beschuldigen. Es sollte bekannt sein, dass die Türkei und die türkische Nation diese Verleumdung ihrer Geschichte nicht vergessen wird."

Ziel der österreichischen Erklärung zum "Völkermord" sei der Fokus auf das Leid der christlichen Gruppen gelegt worden, während die Muslime, "die ihr Leben in derselben Zeit verloren haben, keine Beachtung finden". Dies sei ein "trauriges und deutliches" Anzeichen für die religiöse Diskriminierung durch "ausgerechnet jene Menschen, die behaupten, ihre Handlungen fußten auf einer humanitären Grundlage. Natürlich wird eine solche Diskriminierung weit dahinter zurückbleiben, dabei zu helfen, die vorliegenden Probleme zu lösen."

Das Parlament in Wien hatte am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung aller Fraktionen die Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren einen Völkermord genannt. In der Mitteilung der türkischen Regierung wird dies als ein "Massaker des Rechts" bezeichnet. Die Ereignisse des Ersten Weltkrieges seien selektive und nur darauf abgezielt, durch politischen Druck, der Türkei die Last eines solch schweren Verbrechens aufzuladen. 

Im Ersten Weltkrieg waren Armenier im Osmanischen Reich als vermeintliche Kollaborateure mit dem Feind systematisch vertrieben und umgebracht worden. Zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Menschen kamen nach Schätzungen ums Leben. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung "Völkermord" vehement ab.

 

(dpa)
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