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Geschichte der G-8-Gipfel: Vom Kamingespräch zum Mammutgipfel

zuletzt aktualisiert: 04.06.2007 - 10:25

Berlin (RPO). 1975 hielten sich Sicherheitsaufwande und Medienrummel noch in Grenzen. Damals trafen sich die Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, den USA und Deutschland in Schloss Rambouillet bei Paris zum ersten G-6-Gipfel, dem Vorläufer der heutigen G-8-Gipfel. Ein Blick zurück auf die bewegte Geschichte des Mammutgipfels.

Die jährlichen Gipfeltreffen der wichtigsten Industriestaaten gehen auf eine deutsch-französische Initiative zurück. Angesichts der Ölkrise sahen sich der französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing und Bundeskanzler Helmut Schmidt 1975 dazu veranlasst, die Staats- und Regierungschefs aus den USA, Großbritannien, Japan und Italien zu Beratungen über die Weltwirtschaftslage einzuladen. Das Treffen der "Gruppe der Sechs" - kurz G-6 - fand in informeller Atmosphäre im Schloss Rambouillet bei Paris statt.

Schon beim zweiten Weltwirtschaftsgipfel auf der amerikanischen Insel Puerto Rico wurde Kanada in den exklusiven Club aufgenommen - aus der G-6 wurde die G-7. In den ersten Jahren standen bei den Treffen ausschließlich wirtschaftspolitische Fragen auf der Tagesordnung - vor allem die Ölkrise und diedrohende Weltwirtschaftskrise. Bereits Anfang der 80er Jahre nahmen die Staats- und Regierungschefs zusätzlich auch außenpolitische Probleme wie den Ost-West-Konflikt oder den Kampf gegen den internationalen Terrorismus sowie Umweltfragen ins Programm.

In den 80er Jahren weitete sich das Themenspektrum: Seit dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan 1979 befassten sich die Gipfel auch mit Rüstungs- und Abrüstungsproblemen und dem Systemkonflikt mit dem Kommunismus. Als Mexiko 1982 die Schuldenrückzahlung einstellte und die Schuldenkrise der "Dritten Welt" sichtbar wurde, gelangte der Nord-Süd-Konflikt auf die Tagesordnung. Die Industriestaaten forderten von den Entwicklungsländern eine Anpassung an die Regeln des Weltmarktes. Kritiker warfen den G-7 vor, den Entwicklungsländern im eigenen Interesse eine neoliberale Wirtschaftspolitik aufzuzwingen.

Nach Ende des Kalten Krieges kommt Russland dazu

Mit dem Ende des Kalten Krieges verlagerte sich die Agenda zu Beginn der 90er Jahre auf die Umgestaltung in Osteuropa. 1991 bat Michail Gorbatschow um eine Einladung nach London. Seitdem wurde Russland in den Dialog einbezogen, der 1998 in die Vollmitgliedschaft mündete.

Damit erhielt die Gruppe ihr jetziges Achterformat. Genau genommen müsste man aber von G-9 sprechen: Seit 1978 nimmt auch die EU an den jährlichen Treffen teil, vertreten durch den amtierenden Präsidenten des Europäischen Rats und den Präsidenten der EU-Kommission.

Mitte der 90er Jahre gewannen umwelt- und entwicklungspolitische Themen wieder mehr Gewicht: 1996 wurde in Lyon eine "neue globale Partnerschaft" beschworen. "Erfolgreiche Globalisierung zum Nutzen aller", lautete die Perspektive. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Denver 1997 richtete dann erstmals besondere Aufmerksamkeit auf die Besorgnis erregende Situation Afrikas. Zwei Jahre später regte Deutschland in Köln eine verbesserte Entschuldungsinitiative an und gab damit einen Anstoß zur Verringerung der Schuldenlast der ärmsten Staaten (HIPC).

Auch die Gipfel von Okinawa (2000) bis Gleneagles (2005) beschäftigten sich intensiv mit den Belangen der Entwicklungsländer. In Gleneagles wurde eine neue Entschuldungsinitiative verabschiedet, die armen Ländern einen vollständigen Erlass ihrer Schulden bei Weltbank, Währungsfonds und Afrikanischer Entwicklungsbank ermöglicht. Die G-8 verpflichteten sich damals, ihre finanzielle Hilfe für Entwicklungsländer bis 2010 von 79 Milliarden US-Dollar um rund 50 Milliarden US-Dollar anzuheben. Nach Ansicht der Globalisierungskritiker bei weitem nicht genug: Für "attac" blieben die G-8-Gipfel der Motor der neoliberalen Globalisierung.

Straßenaktionen seit den 1980ern

Seit Ende der 1990er Jahre laden die G-8 auch andere Staaten zu ihren Treffen. Im Vorfeld von Heiligendamm legt die Bundesregierung auch großen Wert auf Kontakte zur Zivilgesellschaft. Das ist nicht zuletzt die Reaktion darauf, dass die Gipfeltreffen zu Kristallisationspunkten für die globalisierungskritischen Bewegungen wurden, gewalttätige Auseinandersetzungen inklusive.

1985 gab es in Bonn erste Straßenaktionen. 1989 tagte parallel zum Weltwirtschaftsgipfel in Paris ein "Gegengipfel der Ärmsten". Große Menschenketten für die Streichung von Auslandsschulden gab es am Rande der Weltwirtschaftsgipfel von Birmingham (1998) und Köln (1999). Den bisherigen Höhepunkt dieser Aktionen bildeten die Großdemonstrationen von rund 250.000 Menschen im Juli 2001 in Genua. Die Ereignisse dort waren Anlass dafür, die folgenden Gipfel in eher abgelegenen und gut kontrollierbaren Regionen stattfinden zu lassen. Bei blutigen Straßenschlachten zwischen Autonomen und der italienischen Polizei wurden damals 500 Menschen verletzt und ein Demonstrant getötet.

Quelle: ap

 
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