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Das Kosovo kommt nicht zur Ruhe: Vor fünf Jahren: Nato startet Luftangriffe im Kosovo

VON ANJA WUNSCH - zuletzt aktualisiert: 24.03.2004 - 08:01
Düsseldorf (rpo). Die aktuelle Gewaltwelle im Kosovo beschwört Bilder von Völkermord und Flüchtlingselend herauf. Genau fünf Jahre nach dem ersten Kampfeinsatz in der Geschichte der Nato droht der Frieden zu zerbrechen. Doch während die internationale Gemeinschaft heute die Serben schützen muss, bombardierten am 24. März 1999 die Kampfflugzeuge der Nato Stellungen der jugoslawischen Armee zum Schutz der Albaner.

Dabei sah es noch ein halbes Jahr vor Kriegsbeginn so aus, als könnte es eine friedliche Lösung geben. Die Nato hatte der jugoslawischen Regierung unmissverständlich mit Luftangriffen gedroht, falls die Vertreibung und Ermordung der Albaner nicht gestoppt würde. Die UN hatte mit der Resolution 1199 den Einsatz militärischer Mittel nicht mehr ausgeschlossen. So unter Druck gesetzt unterschreibt Slobodan Milosevic ein von Diplomat Richard Holbrooke verfasstes Friedensabkommen. 2000 Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sollen ins Land gelassen werden, um den Waffenstillstand überwachen. Die jugoslawische Armee zieht sich in ihre Kasernen zurück.

Doch die Einrichtung des Überwachungsnetzes kommt nur schleppend in Gang. Es fehlt qualifiziertes Personal. Die albanische Befreiungsarmee UCK nutzt diese Chance und rückt dort nach, wo die Serben abziehen. Immer wieder attackieren die UCK-Rebellen die jugoslawische Armee, die ab Dezember 1998 mit brutaler Härte zurückschlägt.

Parallel zu den Friedensbemühungen der OSZE bereite die Nato unter der Führung der USA weiter eine militärische Intervention vor. Am 1. Februar raten die USA im OSZE-Rat Vorbereitungen zum Abzug der Beobachter zu treffen. Eine Woche später erhält der serbische Präsident Milosevic auf der Friedenskonferenz im französischen Rambouillet seine letzte Chance zum einlenken. Aber die Albaner beharren in den Verhandlungen auf der vollständige Unabhängigkeit des Kosovo. Die Serben sperren sich vor allem gegen dessen militärische Absicherung, die Stationierung einer Friedenstruppe wie in Bosnien. Die Konferenz wird am 19. März ergebnislos abgebrochen und schon am folgenden Tag um 12 Uhr passiert der letzte OSZE-Beobachter die Grenze ins benachbarte Mazedonien.

Von da ab ist das Kosovo weitgehend frei von internationalen Beobachtern. Das hat verheerende Folgen. Die serbische Soldateska nutzt die Gelegenheit und führt den Vernichtungsfeldzug gegen die Albaner fort - auch während der Bombardierung durch die Nato. Während des Krieges fliehen nach Schätzungen der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen 1,5 Millionen Albaner vor den Serben, die mordend und brandschatzend von Haus zu Haus ziehen

79 Tage und 37 000 Einsätze der Nato-Jets später bewegt der finnische Präsident am 3. Juni 1999 Milosevic die serbisch-jugoslawischen Streitkräfte abzuziehen. Zusätzlich vereinbaren beide die Stationierung einer internationalen Friedenstruppe unter UN-Schirmherrschaft im Kosovo. Feierlich unterschreiben Ende Juli 1999 die alliierten Staatschefs den Balkan-Stabilitätspakt. Er soll nach dem Vorbild des Marshall-Plans den Wiederaufbau und die Stabilität der Region sichern.

Doch die zurückkehrenden Albaner werden von Opfern zu Tätern. Bis heute haben sie mehr als die Hälfte der ehemals im Kosovo lebenden Serben vertrieben. Die jüngsten Unruhen sind nur die Spitze eines Eisberges. Fünf Jahre nach dem ersten Kampfeinsatz in der Geschichte der NATO erscheint der Erfolg des Militäreinsatzes fragwürdiger denn je.


 
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