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Linke gewinnt Regionalwahlen in Frankreich: Wähler verpassen Sarkozy einen Denkzettel

zuletzt aktualisiert: 14.03.2010 - 22:50

Paris (RPO). Die Franzosen haben Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Sonntag zur Hälfte seiner Amtszeit bei den Regionalwahlen einen deutlichen Denkzettel verpasst. Sie stimmten mehrheitlich für die Sozialisten und andere linke Parteien. Stärker als erwartet schnitt aber auch die rechtsextreme Nationale Front ab.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (r.) und Frau Carla Bruni bei der Stimmabgabe in Paris.  Foto: AFP POOL, AFP
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (r.) und Frau Carla Bruni bei der Stimmabgabe in Paris. Foto: AFP POOL, AFP

Sie könnte den vorläufigen Auszählungsergebnissen zufolge landesweit noch vor den Grünen drittstärkste Kraft werden. Wie das Innenministerium mitteilte, entfielen nach Auszählung von 73 Prozent der Stimmen 53 Prozent auf Kandidaten der Sozialisten und anderer linker Parteien. 40 Prozent stimmten für die konservative Regierungspartei UMP von Sarkozy und andere rechte Parteien. Die Nationale Front lag nach Angaben des Innenministeriums bei 11,7 Prozent vor der grünen Partei Europe Ecologie, die auf 11 Prozent kam. Meinungsforschungsinstitute ermittelten für die Sozialisten zwischen 29,1 und 30 Prozent und für die UMP zwischen 26,7 und 27,5 Prozent.

Viele Beobachter hatten die Wahlen schon vorab als Referendum über die Politik von Sarkozy eingestuft. Dieser äußerte sich am Sonntag zunächst nicht, sondern überließ das Reden Premierminister Francois Fillon. Der gab sich kämpferisch und erklärte, noch sei nichts entschieden. "Alles ist noch offen", verkündete er mit Bezug auf die zweite Runde der Regionalwahlen am 21. März.

Der Fraktionsvorsitzende der UMP im Parlament, Luc Chatel, machte die niedrige Wahlbeteiligung mitverantwortlich für die herbe Niederlage. Den Umfrageinstituten zufolge lag sie bei etwa 48 Prozent. Es wäre einer der niedrigsten Werte in der jüngeren französischen Geschichte. "Wir stehen am Scheideweg", sagte Chatel im Fernsehen. "Jetzt liegt es an uns, unsere Wähler zu mobilisieren."

Zufrieden waren hingegen die Sozialisten. Parteichefin Martine Aubry sprach von einem "ermutigenden Ergebnis". Das gelte auch für das Abschneiden der anderen linken Parteien. Zusammen habe man etwas sehr schönes erreicht. "Die Sozialistische Partei ist die führende Partei Frankreichs", meinte auch der frühere Parteichef Francois Hollande. "Das ist ein zufriedenstellendes Ergebnis."

In allen 22 Regionen auf dem französischen Festland wird eine Mehrheit der Linken für möglich gehalten. Bereits 2004 waren sie in 20 dieser Regionen erfolgreich.

Der zweite Wahlgang findet am 21. März statt. Dann erhält die stärkste Liste zusätzlich zu den Abgeordneten, die ihr nach dem Verhältniswahlrecht zustehen, noch einmal 25 Prozent der insgesamt 1.880 Sitze in den Regionalräten zugeschlagen.

Zur Halbzeit seiner Amtszeit ist die Regionalwahl für Sarkozy etwa das, was die Wahl in Nordrhein-Westfalen für Angela Merkel bedeutet, erklärt der stellvertretende Direktor des Deutsch-Französischen Instituts (DFI), Henrik Uterwedde. "Der große Zampano ist entzaubert", sagte er. "Sarkozys Stil hat sich erschöpft. Da er mit dem hohen Anspruch angetreten ist, alles anders zu machen, war die Fallhöhe besonders groß." Nur etwa gut ein Drittel der Franzosen trauen ihm laut Umfrage noch zu, mit den Problemen des Landes fertig zu werden.

Die Wahllokale waren von 08.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Wahlberechtigt waren 45 Millionen Franzosen.

Quelle: apd/pst

 
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