| 12.12 Uhr

Präsidentschaftswahl in Frankreich
Ein Fernsehduell als Lehrstunde

Macron vs. Le Pen: Diese Kandidaten stehen in der Stichwahl in Frankreich
Paris. Das Fernsehduell zwischen den Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen glich eher einem verbalen Boxkampf. Dabei parierte der Ex-Wirtschaftsminister geschickt die Angriffe der Front-National-Chefin, die er zeitweise wie eine Schülerin aussehen ließ. Von Christine Longin

Marine Le Pen setzte von der ersten Minute an auf Frontalangriff. "Sie sind der Kandidat der wilden Globalisierung, der sozialen Brutalität", begann die Kandidatin des Front National die Fernsehdebatte mit Emmanuel Macron vier Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt. Der Sieger der ersten Runde profitierte jedoch schnell von den Wirtschaftsfragen, die gleich am Anfang des Duells standen. Wie ein Lehrer maßregelte der ehemalige Wirtschaftsminister die Rechtspopulistin, die sich bei den Unternehmen irrte, in denen der Staat ihrer Ansicht nach versagt hatte. "Sie verwechseln Telefone und Turbinen", sagte der 39-Jährige milde lächelnd. "Sie haben ein großes Problem mit den Industriethemen. Sie arbeiten nicht genug daran", kritisierte der Mitte-Links-Kandidat schulmeisterlich.

Le Pen attackierte Macron vor allem als Minister von Präsident François Hollande. "Wenn Sie das Rezept hatten, um die Arbeitslosigkeit zu verringern, warum haben Sie es dann nicht gemacht?", fragte die 48-Jährige ihren neun Jahre jüngeren Rivalen, der sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen ließ. Gelassen nannte der Polit-Neuling alle Zahlen, die er im Kopf hatte, während die Rechtspopulistin in ihren bunten Mappen nach den Daten suchen musste. "Sie haben keine Strategie. Ihre Strategie ist nur, viele Lügen zu erzählen und zu sagen, was nicht läuft. Aber sie schlagen nichts vor", warf Macron der Rechtspopulistin zum Thema Arbeitslosigkeit vor.

"Das ist großer Mist"

Der frühere Banker ergriff die Gelegenheit, Le Pen auch beim zweiten großen Streitpunkt Europa eine Lektion zu erteilen. Die FN-Chefin war am Wochenende in der Frage des Euro-Ausstiegs zurückgerudert. Nachdem die Abkehr von EU und Gemeinschaftswährung jahrelang zu ihren Prinzipien gehörte, schlug die Kandidatin am Wochenende ein doppeltes Währungssystem für Frankreich vor, in dem eine Gemeinschaftswährung neben einer nationalen Währung bestehen soll. "Ein großes Unternehmen kann nicht in Euro handeln und seine Leute in Franc zahlen. Das ist großer Mist", entgegnete Macron. Le Pen kritisierte ihrerseits die Nähe des Kandidaten zu Deutschland. "Sie vertreten das Deutschland unterworfene Frankreich."

Die extrem spannungsgeladene Debatte glich in weiten Teilen einem verbalen Boxkampf, bei dem beide Kandidaten oft gleichzeitig sprachen. Le Pen war dabei meist diejenige, die angriff, doch Macron parierte die Attacken mit Detailkenntnis. Laut einer ersten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Elabe fanden 63 Prozent Macron überzeugender und 34 Prozent Le Pen. "Das war eine Debatte, die viel enthüllt hat", sagte der Zentrumspolitiker François Bayrou, der Macron unterstützt, hinterher. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos dürfte Macron die Stichwahl am Sonntag mit 59 zu 41 Prozent der Stimmen gewinnen.

Millionen Franzosen folgen der Debatte

Die Fernsehdebatte vor der Stichwahl findet traditionell in Frankreich ein Millionenpublikum. 2002 fiel das traditionelle Duell aus, da sich der konservative Kandidat Jacques Chirac weigerte, mit Le Pens Vater Jean-Marie zu diskutieren, der überraschend in die zweite Runde gekommen war. 2012 sahen rund 18 Millionen Zuschauer das Duell zwischen dem Sozialisten Hollande und dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy.

Damals prägte der spätere Präsident das Aufeinandertreffen mit seinem Satz "Ich als Präsident", den er 15 Mal wiederholte. Der Meinungsforscher Jean-Daniel Lévy wies im Vorfeld des Duells zwischen Macron und Le Pen darauf hin, dass bisher noch keine der seit 1974 abgehaltenen Debatten die Wahlabsichten völlig umkrempelte. Allerdings sind in diesem Jahr besonders viele Wähler noch unentschlossen: 18 Prozent sollen noch nicht wissen, wo sie am Sonntag ihr Kreuzchen machen.

 
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