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Wahlen in Myanmar
Partei von Nobelpreisträgerin San Suu Kyi vor Wahlsieg

Wahlen in Myanmar: Nobelpreisträgerin San Suu Kyi vor Wahlsieg
Sie will neue Regierungschefin in Myanmar werden: Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. FOTO: dpa, cha sh
Rangun. Nach den ersten freien Wahlen in Myanmar seit 25 Jahren zeichnet sich ein deutliches Ergebnis ab: Die oppositionelle NLD von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi kann wohl mit einer großen Mehrheit im neuen Parlament rechnen.

Es war ein historischer Wahltag in Myanmar: Rund 30 der gut 50 Millionen Einwohner konnten am Sonntag erstmals seit 25 Jahren ein Parlament frei wählen. Die Eregbnisse lassen weiter auf sich warten und sollen wohl erst am Abend bekannt gegeben werden. Einige zentrale Entscheidungen stehen allerdings schon fest. So verlor einer der ranghöchsten Vertreter der militärnahen Regierungspartei USDP, Parlamentspräsident Shwe Mann, seinen Sitz. Auf Facebook räumte er die Niederlage im Wahlkreis Phyu rund 200 Kilometer nördlich der Hafenstadt Rangun ein. "Ich gratuliere Thein Nyunt von der Nationalliga für Demokratie zum Mandatsgewinn", schrieb er.

USDP räumt starke Verluste ein

Auch andere USDP-Politiker haben bereits starke Verluste bei der historischen Parlamentswahl eingeräumt. "Wir haben sämtliche Sitze in der Region des Irrawaddy-Delta verloren", sagte der Parteivorsitzende Htay Oo der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Das Delta galt als eine Machtbasis der Regierungspartei. Auch der Parteichef verlor seinen Sitz. "Landesweit gab es mehr Niederlagen als Siege", sagte Htay Oo dem Sender DVB. Die Partei akzeptiere das, der Wille des Volkes zähle.

Die oppositionelle NLD von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi könne mit 80 Prozent der Sitze rechnen, meinte Parteisprecher Win Htein am Morgen. "Es ist zu früh, unseren Kandidaten zu gratulieren, aber ihr habt sicher alle eine Vorstellung, wie die Ergebnisse aussehen", sagte San Suu Kyi (70), die 15 Jahre unter Hausarrest stand und jetzt Regierungschefin werden will. Niemand solle aber herumprahlen, das verletze die Gefühle der Verlierer.

Erste Manipulationsvorwürfe

Mehrere Parteien protestierten wegen möglicher Manipulationen mit Wahlzetteln von Wählern, die schon vor dem Wahltag abstimmten, sagte der Sprecher der Minderheitenpartei SNLD in der Shan-Region, Sai Leik, der Deutschen Presse-Agentur. "Zum Beispiel führte der NLD-Kandidat im Wahlkreis Lashio, wo Vizepräsident Sai Maunk Khan antritt, nach Auszählung der Stimmen", sagte er. "Dann tauchten um Mitternacht plötzlich ganz viele Kisten mit vor der Wahl abgegebenen Stimmzetteln auf, die hauptsächlich für die USDP waren. Das ist nach dem Wahlgesetz illegal. Danach sind Stimmen, die nach Schließung der Wahllokale ankommen, nicht gültig."

Myanmar war bis 2011 eine Militärdiktatur. Die Junta hielt 2010 umstrittene Wahlen ab, bei denen die militärnahe USDP die absolute Mehrheit gewann. Präsident Thein Sein und der Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing haben versichert, sie würden das Ergebnis anerkennen.

 

(gol/dpa)
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