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panorama Michelle Obama, Nanci Pelosi AP 2010-1026
  Foto: AP, AP
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Die Powerfrau mischt kräftig mit: Wahlkampf-Joker Michelle Obama

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 26.10.2010 - 10:31

Sacramento (RP). Amerikas First Lady ist die wichtigste politische Stütze des Präsidenten. Bei Michelle Obama war, anders als bei ihrer stillen Vorgängerin Laura Bush, schon lange zu spüren, wie wenig ihr die Rolle der schmückenden Ehegattin genügt hat. Hinter den Kulissen mischt die Powerfrau nun kräftig mit.

Es war fast so wie in alten Zeiten: Ein heiserer, kämpferischer Barack Obama feuert sein Publikum an, seine Frau Michelle ruft laut: "Können wir etwas erreichen?" Und 35 000 Menschen auf dem Campus der Ohio State University antworten: "Yes, we can! Yes, we can!" Die Szene in Ohios Hauptstadt Columbus, sie erinnerte an das Jahr 2008, als eine Welle der Begeisterung Barack Obama bis ins Weiße Haus trug – mit großer Unterstützung seiner Frau.

Seitdem wolle sie eigentlich nur noch "Mom-in-Chief" sein, eine Mutter, die zwar in der Machtzentrale wohnt, sich aber vor allem um ihre zwei Töchter kümmert. Sie möge Politik nicht, lässt Michelle Obama ihre Landsleute gern wissen. In Wahrheit ist es geflunkert. Einmal abgesehen von Hillary Clinton gab es zuletzt kaum eine First Lady, die sich so aktiv ins politische Tagesgeschäft einschaltete.

Hohe Wertschätzung

Dass sie jetzt im Wahlkampf erneut Flagge zeigt, liegt an Beliebtheitswerten, von denen ihr Mann nur träumen kann: 68 Prozent der Amerikaner haben eine hohe Meinung von Michelle Obama, während nur gut zwei Fünftel den Kurs des Staatschefs gutheißen. Also rührt die hochgewachsene Fitnessfanatikerin vor dem Kongressvotum die Werbetrommel. Sie tut es so intensiv, dass die US-Medien sie zur Geheimwaffe der Regierungspartei erklärt haben.

Am Montag sprach sie zu potenziellen Spendern in San Francisco, bei einem Dinner, bei dem allein der Eintritt 600 Dollar kostet. Auf der Zielgeraden will sie die traditionellen, in diesem Herbst allerdings recht müden Förderer der Demokraten motivieren, um den finanziellen Vorteil der republikanischen Konkurrenz noch auszugleichen.

Konkret geht es darum, Barbara Boxer zu unterstützen, eine Politikerin, die Kalifornien seit 1993 im Senat vertritt und im spannenden Duell mit der früheren Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina um ihre Wiederwahl bangen muss. Niemand, glauben Boxers Strategen, kann die verzagte Anhängerschaft besser motivieren als Michelle Obama.

"Ihr müsst bei jeder Wahl dabei sein"

Bis zum Urnengang wird die begehrte Wahlkämpferin noch mindestens ein Dutzend Mal Flagge zeigen. Mal im kleinen Kreis, mal auf großer Bühne. Ihre Botschaft ist immer gleich: ein Appell an die Geduld. "Ich weiß, für viele Menschen kommt der Wandel nicht schnell genug. Glauben Sie mir, Barack geht es genauso."

Solchen Sätzen folgt gewöhnlich der Aufruf, den einst so umjubelten Hoffnungsträger nicht im Stich zu lassen, wenn die hohe Arbeitslosigkeit an den Nerven zerrt, der sprichwörtliche amerikanische Optimismus eine Pause einlegt und sich die Angst vor dem aufstrebenden China wie ein roter Faden durch die Debatten zieht. Gerade die Jungen, mahnt die Rednerin, dürften jetzt nicht desinteressiert vorm Fernseher hocken, nachdem sie Obama mit ihrem Eifer den Weg ins Oval Office geebnet hatten. "Ihr könnt nicht nur einmal abstimmen und euch dann ausruhen. Ihr müsst bei jeder Wahl dabei sein."

Ob die Aufrufe etwas bewirken, sei dahingestellt. Die Enttäuschung reicht tief, die Wirtschaftsmisere ließe jeden Präsidenten schlecht aussehen. Im Jammertal jetzt soll die First Lady nach vorn. In gewisser Weise erinnert das Phänomen an George W. Bush, der nach dem Absturz in den Meinungsumfragen seine bis dahin so zurückhaltende Laura zusehends ins Rampenlicht schob. Anders als sie mischt Michelle Obama aber schon länger kräftig mit. Genau wie Eleanor Roosevelt, First Lady von 1933 bis 1945, tourt sie von Ministerium zu Ministerium, um altgedienten Beamten zum Dank die Hand zu schütteln. So bizarr das Procedere anmuten mag, so eindeutig ist die Botschaft. Denn die rebellische "Tea Party" verdammt grundsätzlich den Regierungsapparat.

Joe Sestak, ein Demokrat aus Pennsylvania, der Senator werden möchte, brachte es unlängst auf den Punkt: Als Barack Obama anfragen ließ, ob Sestak den Präsidenten als Wahlredner brauchen könne, ließ der frühere Navy-Admiral kurz und knapp ausrichten: Ja, einen Obama brauche er schon – "aber bitte schickt mir Michelle".


 
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