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osama bin laden dapd panorama
  Foto: dapd, dapd
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Nach dem Tod von Osama bin Laden: Warnungen vor Al Qaidas Rache

zuletzt aktualisiert: 02.05.2011 - 14:15

Düsseldorf (RPO). Nach dem Tod von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden wächst die Sorge vor möglichen Vergeltungsschlägen. Die USA rechnen mit heftigen anti-amerikanischen Reaktionen in der islamischen Welt. Weltweit wurden Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Auch in Deutschland warnen Politiker und Polizei: Extremisten könnten bin Ladens Tod als Provokation empfinden.

Nach der Tötung von Al-QKaida-Chef Osama bin Laden wächst weltweit die Sorge, dass es neue Anschlagsversuche islamistischer Terroristen geben könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Montag in einer ersten Stellungnahme zwar von einem entscheidenden Schlag gegen das Terrornetzwerk Al Qaida, warnte jedoch unmittelbar darauf: Besiegt sei der internationale Terrorismus damit noch nicht. "Wir alle werden wachsam bleiben müssen."

Zuvor hatte bereits Bundesaußenminister Guido Westerwelle vor Racheakten von Extremisten gewarnt. Westerwelle betonte, die Bundesrepublik müsse sich der Gefahr stellen und als "wehrhafte Demokratie" den "Terrorismus bekämpfen". Es gehe dabei um "den Schutz unserer Freiheit und Lebensweise". Bin Ladens Tod sei eine "sehr gute Nachricht", sagte Westerwelle. "Heute ist ein guter Tag."

Al Qaida ist aktiv

Dass Al Qaida nicht gleichzusetzen ist mit Osama bin Laden, haben die vergangenen Jahre mehrfach gezeigt. Das Terrornetzwerk erwies sich zuletzt als höchst aktiv. In der vorigen Woche wurden mit ihm die Bombenanschläge in Marrakesch in Verbindung gebracht. Und auch die am Freitag festgenommenen Terrorverdächtigen aus Düsseldorf und Bochum sollen einer Zelle von Al Qaida angehören.

Diese dezentral organisierten Gruppen und fanatische Extremisten sind es, vor denen Behörden, Polizei und Politiker jetzt warnen. Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Martin Schulz (SPD), sagte im Deutschlandfunk, Bin Ladens Tötung werde "in Terrorkreisen als Provokation empfunden". Es sei nun damit zu rechnen, dass Bin Ladens Anhänger "versuchen werden zurückzuschlagen."

"Gefahr kurzfristig gestiegen"

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mahnt, die kurzfristige Gefahr von Racheakten sei gestiegen. Dies gelte besonders für Einrichtungen der USA in Deutschland. Hier würden die Bewachung und der Schutz durch die deutschen Sicherheitsbehörden sicher verstärkt werden. "Man kann jetzt schon sagen, dass man aufmerksamer sein muss", sagte Herrmann. Bis zum Mittag blieb es indes vor der US-Botschaft in Berlin ruhig. 

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sprach derweil von erhöhter Anschlagsgefahr auch in Deutschland. Eine grundlegende Änderung der Bedrohungslage in der Bundesrepublik habe sich durch Bin Ladens Tod aber nicht ergeben, da sie bislang schon hoch gewesen sei, sagte Bosbach im Deutschlandfunk.

USA und Pakistan im Visier

Übermäßige Ängste hält Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich indes nicht für angebracht. Der CSU-Politiker vermag keine erhöhte Gefährdung durch Anschläge zu erkennen. "Wir haben unverändert eine hohe Bedrohungslage", sagte der CSU-Politiker am Montag am Münchner Flughafen. Konkrete Hinweise auf Anschläge gebe es nicht. Friedrich plant keine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen.

Anders als Friedrich sprach der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann von einer eindeutig veränderten Sicherheitslage. "Es ist möglich, dass auch in Deutschland eine erhöhte Sicherheitsstufe ausgerufen werden muss", sagte er der "Bild"-Zeitung. Radikalisierte Einzeltäter könnten durch den Tod bin Ladens motiviert werden, in Deutschland Anschläge zu verüben. Der CDU-Politiker forderte daher eine Sonderkonferenz der Innenminister.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz und ehemalige deutsche Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, rechnet mit terroristischen Vergeltungsanschlägen vor allem gegen die USA und Pakistan. Er gehe davon aus, dass sich Al Qaida für den Tod ihres Gründers rächen werde, sagte Ischinger dem Deutschlandradio Kultur. Dies werde aber "eher nicht" in Deutschland geschehen, sondern anderswo auf der Welt - "dort, wo vielleicht amerikanische Streitkräfte verwundbar sein könnten".

Die Deutsche Polizeigewerkschaft geht nach der Tötung Osama bin Ladens von einer verschärften Terrorgefahr auch in Deutschland aus. "Die Tötung bin Ladens erhöht mittel- und langfristig die Anschlagsgefahr", sagte der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Hermann Benker gegenüber unserer Redaktion. Kurzfristig seien "eher unkoordinierte Aktionen von ideologisierten Einzeltätern" zu erwarten. Langfristig aber würden organisierte Terrorgruppen die Tötung "zum Anlass für Racheaktionen auch in Deutschland nehmen".

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat dagegen einen "besonnenen" Umgang mit den Anti-Terror-Gesetzen gefordert. Die Ministerin sei der Meinung, dass die momentane Sicherheitslage "nicht intrumentalisiert werden darf", sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. "Angst ist nie ein guter Ratgeber", fügte sie hinzu.

Interpol in Alarmbereitschaft

Osama bin Laden ist tot - nicht aber Al Qaida. Dies hoben westliche Behörden und Sicherheitsexperten am Tag nach dem tödlichen Schlag gegen den meistgesuchten Terroristen der Welt hervor. Die USA und ihre Verbündeten befürchten nun Vergeltungsschläge des Al-Qaida-Netzwerks und seiner Unterstützer. Dass Bin Laden getötet worden sei, heiße nicht, dass nun die Organisationen verschwänden, "die Al Qaida angegliedert oder davon inspiriert sind", erklärte Interpol-Chef Ronald Noble in Lyon. Die Polizeibehörden in den 188 Mitgliedstaaten von Interpol seien in höchster Alarmbereitschaft.

US-Bürger sollen Menschenansammlungen meiden

In Amerika selbst löste die Todesnachricht trotz der vermutlich gewachsenen Gefährdung Jubelstürme aus. Dabei hatten die Behörden unmittelbar nach der Bekanntgabe von bin Ladens Tod eine Reisewarnung ausgesprochen. Das Außenministerium befürchtet eine verstärkte Gefahr anti-amerikanischer Gewalt. Es rief amerikanische Staatsbürger "dringend" dazu auf, Massenversammlungen oder Demonstrationen zu meiden.

In Gegenden, wo dieses Risiko bestehe, sollten Amerikaner nach Möglichkeit in ihren Häusern oder Hotels bleiben und Menschenansammlungen und Demonstrationen vermeiden. Die Reisewarnung soll zunächst bis zum 1. August dauern.

"Kein Krieg gegen den Islam"

Die USA bemühen sich offensichtlich nach Kräften, die islamische Welt nicht zu provozieren. So war die Geheimoperation keine rein amerikanische Angelegenheit. Mit Pakistan war auch das islamische Land beteiligt, in dem bin Laden sich zuletzt in einer mit Stacheldraht abgeriegelten herrschaftlichen Villa in der Grenzstadt Abbottabad versteckt hatte. Zudem wurde bin Laden gemäß islamischer Tradition noch am selben Morgen im Meer bestattet, wie US-Offizielle bestätigten.

US-Präsident Barack Obama hat mehrfach betont, dass er keinen Krieg gegen den Islam führen will, sondern gegen Terroristen, die die Religion für ihre eigenen Zwecke missbrauchten. Ähnlich äußerte sich am Montag die deutsche Kanzlerin. Merkel warf bin Laden vor, er habe vorgetäuscht, im Namen des Islam zu handeln, in Wirklichkeit aber die Grundwerte aller Religionen verhöhnt.

Weltweit schärfere Sicherheit

Großbritannien Weltweit wurden am Montag die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Die britische Regierung ordnete an, die Sicherheit an den britischen Botschaften weltweit zu verstärken. "Wir müssen uns klarmachen, dass die Wachsamkeit gegenüber Al Qaida damit nicht beendet ist", erklärte Außenminister William Hague. 

Frankreich Frankreich warnte am Montag vor möglichen Racheakten. Das Ende bin Ladens nicht das Ende des Terrornetzwerkes selbst. Der Kampf müsse ohne Unterbrechung weitergeführt werden. Erst vergangene Woche waren bei einem Anschlag im marokkanischen Marrakesch 16 Menschen getötet worden, darunter acht Franzosen.

Indonesien In Indonesien, dem Land mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil weltweit, befinden sich die Sicherheitskräfte in höchster Alarmbereitschaft. Sie befürchtet Vergeltungsanschläge. Die indonesische Terrororganisationen Jemaah Islamiyah (JI) und Jamaah Ansharut Tauhid (JAT) haben laut Terrorexperten enge Verbindungen mit Al Qaida.

Quelle: AFP/RTR/dapd

 
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