kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Adel Abdul-Mahdi,  Nicolas Sarkozy
  Foto: AP, AP
Kommentare ()

„Hau ab, Du armer Depp“: Warum Sarkozy das Sprechen verlernt

VON KARIN FINKENZELLER - zuletzt aktualisiert: 18.04.2009 - 15:06

Paris (RPO). Eigentlich ist Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ein Mann der gepflegten Oberklasse. Doch in der letzten Zeit verlernt er offenbar seine guten Manieren. Er spricht, als ob er geradewegs aus der Gosse käme. Die Entgleisungen sind allerdings pure Strategie. Gerade in Krisenzeiten möchte der Präsident bei der breiten Masse Gehör finden.

An dieser Stelle muss einmal über Sprache geredet werden. Ist sie doch die wichtigste Form, um uns mitzuteilen. Aber ach, es ist schlecht bestellt um die Sprache. Verhunzt wird sie, und das seit Jahren. Was eine Krise ist, darüber konnte sie uns schon Bände erzählen, bevor Banken zusammenbrachen.

Nicht einmal Staatschefs sind vor diesem Niedergang gefeit, wie uns das Beispiel Frankreichs lehrt. Dort, im Land der Voltaires und Molières, der Dantons und Montesquieus, die Sprache zur Hochkultur brachten, beschäftigen sich Stäbe von Sprach- und Kommunikationswissenschaftlern mit der Frage, was um Himmels Willen in Präsident Nicolas Sarkozy gefahren ist.

Der Mann, Anwalt von Beruf und lange Zeit im vornehmen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine als Bürgermeister tätig, kann so geschliffene Sätze formulieren, als halte er ein Plädoyer. Immer öfter aber redet er, als käme er geradewegs aus der Gosse. Sein „Hau ab, Du armer Depp“, das er voriges Jahr einem Besucher der Landwirtschaftsausstellung entgegen schleuderte, der ihn nicht grüßen wollte, ist ja inzwischen zu einem geflügelten Wort geworden.

Aber Sprachpuristen nehmen mit Schaudern zur Kenntnis, dass er neuerdings auch zu Hauf grammatikalische Fehler macht. „Molière muss sich im Grab umdrehen“, jammerte kürzlich die Zeitung „Le Parisien“.

Leidet Sarkozy an Amnesie? Keine Sorge. Er ist vielmehr ein kühl kalkulierender Stratege, der seine Sprache der seiner Umgebung anpasst. Im Land, das Brüderlichkeit als eines der Verfassungsprinzipien nennt, verbrüdert der Präsident sich eben im Zweifelsfall via gebräuchlichen, aber falschen Verneinungsformen und Zeitfolgen. „Er kann reden. Und wie jeder Politiker setzt er sich zum Ziel, seine Zuhörer zu überzeugen“, urteilt Pierre Rézeau, Ko-Autor des Wörterbuchs des gesprochenen Französisch. 

Ob es hilft, die erbosten Arbeiter zu beruhigen, die aus Sorge um ihre Jobs  – ebenfalls wenig vornehm und unter Umgehung aller Regeln – Manager in Geiselhaft nehmen sowie zu Hunderttausenden gegen den Präsidenten und seine Regierung demonstrieren? Zweifel sind erlaubt.

Die Philosophin Barbara Cassin wirft dem Präsidenten vielmehr vor, er unterminiere mit seinem Straßenslang die Demokratie. Lehrer klagen, sie könnten ihre Schüler nicht mehr zurechtweisen, da diese dann antworteten: Wieso, Sarkozy macht das doch auch? Die Autorität geht flöten, die der Sprache und die derer, die sie pflegen wollen. In diesem Sinne: Gehaben Sie sich wohl!


 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Was in Schröders Gesetzentwurf steht

Betreuungsgeld für Eltern

Was in Schröders Gesetzentwurf steht

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hat den Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld auf den ... mehr 

Weißes Haus bedauert Obamas KZ-Versprecher

"Polnisches Todeslager"

Weißes Haus bedauert Obamas KZ-Versprecher

Das Weiße Haus hat sich für eine missglückte Äußerung von US-Präsident Barack Obama zu einem KZ in Polen entschuldigt. mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

145250430

"Polnisches Todeslager"

Weißes Haus bedauert Obamas KZ-Versprecher

Das Weiße Haus hat sich für eine missglückte Äußerung von US-Präsident Barack Obama zu einem nationalsozialistischen Konzentrationslager in Polen entschuldigt, das der Staatschef als "polnisches Todeslager" bezeichnet hatte. mehr

 
 
 

US-Präsident bestimmt Ziele der Drohnenangriffe

Obama wacht persönlich über "Todesliste"

 

Diese Männer spalten Ägypten

Ein Islamist und ein Mubarak-Mann

 

Bundespräsident zu Gast in Israel

Gauck: Israel plant keinen Angriff gegen Iran

Top-Services