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Was in den E-Mails von Hillary Clinton steht
"Muss ich ein iPad aufladen?"

Die politische Karriere von Hillary Clinton
Die politische Karriere von Hillary Clinton FOTO: afp, LARRY DOWNING
Washington. Die vom State Department freigegebenen E-Mails von Hillary Clinton zeigen, dass es bei der US-Präsidentschaftsanwärterin der Demokraten genauso zuging wie in jedem anderen Büro auch. Von Frank Herrmann

"Glaubt ihr, der Kerl hat die Maske absichtlich ausgesucht? Oder hat er nach der nächstbesten gegriffen?", fragt Hillary Clinton, damals noch Außenministerin, ihre Stabschefin Cheryl Mills und ihren Anwalt David Kendall in einer E-Mail vom 30. Dezember 2010. In Sterling, einer Kleinstadt in Virginia, war eine Bankfiliale überfallen worden, von einem Mann, der sein Gesicht hinter einer Hillary-Clinton-Maske verbarg. Der digitale Briefwechsel verrät, dass im State Department ein eher lockerer Ton herrschte, bisweilen angereichert durch sarkastischen Humor. "Sie (Clinton - Red.) hat ein Alibi, nehme ich an?", schrieb Mills an Kendall.

In dieser Woche ist der nächste, der bisher dickste Packen jener 30.000 E-Mails veröffentlicht worden, die Hillary Rodham Clinton alias HRC in ihren vier Jahren als Außenministerin schrieb. 7000 ausgedruckte Seiten, die ihren Gegnern im Wahlkampf kaum genug Munition liefern dürften, um aus der Affäre einen echten Skandal zu machen. Ein Richter hatte die Freigabe angeordnet, und schon die Tatsache, dass sich Clinton für dienstliche Post eines privaten Mailkontos bediente, ließ ihre Kritiker auf sensationelle Enthüllungen hoffen. Daran gemessen ist wenig brisant, was man bisher nachlesen kann. Keine Staatsgeheimnisse, eher Banales. Immerhin gewährt die Sammlung einen Einblick in den Alltag eines Schlüsselressorts, in dem es offenbar auch nicht anders zugeht als in einem normalen Büro.

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In der Bankraubstory etwa schrieb Kendall, nachdem seine Chefin den launigen Tonfall aufgenommen hatte: Eines könne er schon nach schneller Recherche sagen, in der Geschichte der Banküberfälle hätten die Täter, wenn sie Politikermasken trugen, meist die von Republikanern gewählt. Vorn liege Richard Nixon ("kaum überraschend" angesichts des Watergate-Skandals) mit elf dokumentierten Fällen, gefolgt von George W. Bush und Ronald Reagan. "Es hat den Anschein, als hätten wir für die Demokraten eine Premiere gefeiert."

In anderen E-Mails geht es um Dinge wie in vielen anderen Büros auch: zum Beispiel um technische Probleme. Als die Ministerin ein iPad bekam, freute sich Clinton zunächst. "Das sind aufregende Neuigkeiten – kannst du mir vielleicht auf dem Flug nach Kiew nächste Woche zeigen, wie das geht?", schrieb sie an ihre Vertraute Huma Abedin. Doch dann traten erste Schwierigkeiten auf: Ihr Nachrichtenticker aktualisierte nicht, sie komme nicht zurecht mit dem Gerät: "Muss ich es aufladen? Wenn ja, wie? Ich habe kein Kabel", schrieb sie unter dem Codenamen "Evergreen" an einen ihrer Mitarbeiter. Auf den Ratschlag, dafür einfach Wlan zu aktivieren, fragte sie ratlos weiter: "Ich weiß nicht, ob ich Wlan habe. Wie finde ich das raus?"

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Die Chefin, oft noch spätabends vorm Computer sitzend, legte Wert darauf, ihre Mitarbeiter jederzeit erreichen zu können. Die Mitarbeiter wiederum gaben gute Ratschläge, etwa dann, wenn sie Studien über die Auswirkungen von Schlafmangel auf das Gewicht von Frauen gelesen hatten – nicht weit hergeholt bei einer Weltreisenden, die ständig durch die Zeitzonen flog und akut mit dem Jetlag zu kämpfen hatte. Manchmal versuchten sie, mit Komplimenten Punkte zu sammeln.

"Es gibt ein sehr elegantes Bild von dir auf der Titelseite der 'International Herald Tribune'", schwärmte Clintons Planungschefin Anne-Marie Slaughter am 31. Januar 2010. Darauf HRC: "Danke, aber hast du die Fotos gesehen, die zeigen, wie mir der Schuh vom Fuß rutscht, als ich die oberste Stufe des Elysee erreichte, um von Sarkozy begrüßt zu werden?" Dann wären da noch die alten Freunde, ohne Amt, dafür umso meinungsfreudiger. Allen voran Sidney "Sid" Blumenthal, früher Reporter, ab 1997 Assistent Bill Clintons im Weißen Haus, eine Art Kummerkasten, dem sich der damalige Präsident im Strudel der Monica-Lewinsky-Affäre anvertraute und der auch bei dessen Gattin hohes Ansehen genoss.

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Im November 2009 lieferte Blumenthal eine Skizze Guido Westerwelles, des neuen deutschen Außenministers, den die Amerikaner nicht recht einzuordnen wussten. Der spreche fließend Englisch, sei nicht konservativ und werbe für die Idee einer Welt ohne Atomwaffen. Reibungspunkte mit den USA seien nicht zu erkennen, "er ist von Naturell und Ausbildung her Transatlantiker". Nur kein Kumpeltyp, der anderen auf die Schulter klopfe. Es brauche Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Sie solle Westerwelle einfach gut aussehen lassen, der Rest werde sich schon finden, riet Blumenthal.

Quelle: RP
 
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