Der auf Persisch verfasste Brief des iranischen Staatschefs Mahmud Ahmadinedschad an US-Präsident George W. Bush befasst sich mit Israel, den Anschlägen vom 11. September 2001 und Religion. Der iranische Präsident kritisiert die USA wegen des Einmarsches in den Irak und zieht Parallelen zu seinem eigenen Land.
Ahmadinedschad fordert, dass gemeinsame religiöse Werte das Leben bestimmen müssen.
Mit Blick auf den Konflikt über das iranische Atomprogramm fragt Ahmadinedschad, warum jeder technische und wissenschaftliche Fortschritt im Nahen Osten als "Bedrohung des zionistischen Regimes" dargestellt werde. "Sind nicht Forschung und Entwicklung eines der grundlegenden Rechte von Nationen?"
Er zieht Parallelen zwischen dem Krieg gegen den Irak und den Drohungen gegen sein eigenes Land. Die USA hätten gelogen, um den Irak-Krieg zu begründen: "Im Fall des Iraks wurden Lügen erzählt. Was war das Ergebnis? Ich habe keine Zweifel, dass Lügen in jeder Kultur verabscheuungswürdig sind, und dass Sie nicht gerne angelogen werden."
Unter dem Vorwand, es existierten Massenvernichtungswaffen, sei der Irak angegriffen worden: Später wurde enthüllt, dass es von Anfang an gar keine Massenvernichtungswaffen gegeben hat.“
"Natürlich war Saddam (Hussein) ein mörderischer Diktator. Aber der Krieg wurde nicht geführt, um ihn zu stürzen, das erklärte Ziel des Krieges war, Massenvernichtungswaffen aufzuspüren und zu zerstören. Er wurde nebenbei gestürzt, auf dem Weg zu einem anderen Ziel; trotzdem sind die Menschen in der Region glücklich darüber. Ich weise darauf hin, dass Saddam während der vielen Jahre des Krieges, der dem Iran aufgezwungen wurde, vom Westen unterstützt wurde."
Irans Präsident spricht zudem die hohe Selbstmordrate unter US-Soldaten an und wirft Bush vor, dass an die Hände der Soldaten mit dem „Blut anderer befleckt“ seien. "Wie lange noch werden das Blut unschuldiger Männer, Frauen und Kinder auf den Straßen vergossen und ihre Häuser über ihren Köpfen zerstört werden? Sind Sie erfreut über die derzeitige Weltlage? Glauben Sie, dass die gegenwärtige Politik fortgesetzt werden kann?"
Die Konzepte Liberalismus und westliche Demokratie seien gescheitert: "Liberalismus und Demokratie nach westlichem Muster waren nicht in der Lage, die Ideale der Menschheit zu verwirklichen. Heute sind diese beiden Konzepte gescheitert. Die Einsichtigen können schon hören, wie die Ideologie und das Gedankengut des liberalen demokratischen Systems zerbrechen und untergehen."
Ahmadinedschad stellt die Gründung des Staates Israel, zu dessen Vernichtung er in der Vergangenheit aufgerufen hatte, in Frage.
Ihm sei auch nicht klar, warum die westliche Welt gegen die Hamas-Regierung sei. Schließlich sei sie von den Palästinensern gewählt.
Der iranische Präsident mokiert sich darüber, dass die US-Geheimdienste nichts gegen die Anschläge des 11. September 2001 getan hätten. Und fragt, warum man nicht erfahre, wer seiner Verantwortung damals nicht gerecht geworden sei. Damit wirft er die Frage auf, ob die Bush-Regierung Beweise vertuscht habe.
Er wendet sich auch an Bush direkt, betont, dass die Menschen die Amtszeiten der Präsidenten genau prüfen würden: Ob sie dem Volk Frieden, Sicherheit und Wohlstand gebracht hätten. Ob man die Gerechtigkeit zum obersten Ziel gemacht habe. "Die Geschichte lehrt uns, dass repressive und grausame Regierungen nicht überleben. Gott hat ihnen das Schicksal der Menschen anvertraut."
Dann fragt er den US-Präsidenten, den er mit „Exzellenz“ anspricht, ob er sich nicht den Menschen anschließen wolle, die nach dem Allmächtigen Gott strebten.