Clinton zu Wikileaks-Enthüllungen: Weißes Haus sieht "schweres Verbrechen"
zuletzt aktualisiert: 29.11.2010 - 21:13Washington (RPO). US-Außenministerin Hillary Clinton hat der Internetplattform Wikileaks eine Beschädigung der internationalen Diplomatie weit über die Grenzen der USA hinaus vorgeworfen. Die Veröffentlichung tausender interner US-Botschaftsberichte sei "nicht nur ein Angriff auf die außenpolitischen Interessen Amerikas", sagte Clinton in ihrer ersten Stellungnahme zu den Enthüllungen am Montag in Washington. "Es handelt sich um einen Angriff auf die internationale Gemeinschaft."
Clinton lehnte es ab, die Authentizität der Dokumente zu bestätigen, da diese illegal veröffentlicht worden seien. Sie fügte aber hinzu: "Die USA bedauern zutiefst die Veröffentlichung von Informationen, die vertraulich bleiben sollten - einschließlich privater Unterredungen zwischen Gesprächspartnern oder den persönlichen Beobachtungen und Einschätzungen von Diplomaten.
Die Internetplattform Wikileaks hat mehr als 250.000 teils geheime Dokumente aus dem US-Außenministerium veröffentlicht, die ein Schlaglicht auf die US-Außenpolitik bieten und oft unschmeichelhafte Einschätzungen von Regierungschefs in aller Welt beinhalten. Verschiedenen Medien zufolge sollen sie unter anderem belegen, dass Washington Mitarbeiter der Vereinten Nationen ausspionieren lässt und arabische Staaten eine Zerstörung des iranischen Atomprogramms gefordert haben.
Clinton kündigte Konsequenzen aus der Veröffentlichung an. "Dem amerikanischen Volk sowie unseren Freunden und Verbündeten will ich sagen, dass wir aggressive Schritte unternehmen, um jene zur Rechenschaft zu ziehen, die diese Informationen gestohlen haben." In ihrem Ministerium werde es neue Richtlinien zum Umgang mit vertraulichen Informationen geben.
Die Veröffentlichung könne das Vertrauen unter den Staaten zerstören. Sie sei jedoch zuversichtlich, dass die Beziehungen zwischen den USA und ihren Partnern die Herausforderungen bestehen werden, sagte Clinton in Washington.
Weißes Haus sieht "schweres Verbrechen"
Die Veröffentlichung zum Teil geheimer Unterlagen des US-Außenministeriums durch die Internetplattform Wikileaks hat unterdessen weltweit Kritik hervorgerufen. Ausländische Politiker beklagten dabei weniger die enthüllten Vorgänge aus dem Innenleben der amerikanischen Diplomatie, als viel mehr den erlittenen Vertrauensverlust durch die Bekanntgabe teils sehr persönlicher Einschätzungen.
Auch das Weiße Haus verurteilte die Veröffentlichung der Dokumente. Das Stehlen geheimer Unterlagen und ihre Veröffentlichung sei ein "schweres Verbrechen", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Robert Gibbs. Obama sei "nicht glücklich" über die Veröffentlichung - und das sei noch eine "Untertreibung".
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum