Nordkorea: Weltweite Empörung nach Raketenstart
zuletzt aktualisiert: 05.04.2009 - 15:39Seoul/Washington (RPO). Nordkorea hat am Sonntag eine Langstreckenrakete gestartet und damit scharfe Proteste der internationalen Gemeinschaft ausgelöst. Die aus mehreren Stufen bestehende Trägerrakete sollte nach nordkoreanischen Angaben einen Satelliten in eine Umlaufbahn bringen. Laut Südkorea hat sie die Umlaufbahn allerdings nicht erreicht. US-Präsident Obama, der derzeit in Prag ist, kritisierte den Vorgang scharf. Er sei ein Verstoß gegen die Resolution des Weltsicherheitsrates.
Die Rakete wurde nach Angaben des US-Außenministeriums um 10.30 Uhr Ortszeit (4.30 Uhr MESZ) von der Anlage Musudan-ri im Nordosten des Landes abgeschossen. Sie bewegte sich in östlicher Richtung über Japan hinweg und verschwand dann im Himmel über dem Pazifik.
Die aus mehreren Stufen bestehende Trägerrakete soll nach nordkoreanischen Angaben einen Satelliten in eine Umlaufbahn bringen. Die USA, Japan und Südkorea werfen der Regierung in Pjöngjang aber vor, lediglich neue Raketentechnik erproben zu wollen und damit gegen eine Resolution des Weltsicherheitsrates zu verstoßen. Dieser berief auf Antrag der japanischen Regierung eine Dringlichkeitssitzung ein.
Japan hatte Nordkorea mit dem Einsatz von Abwehrraketen gedroht, falls Trümmer von Raketenstufen auf sein Territorium fallen sollten. Die erste Stufe der Rakete stürzte etwa 280 kilometers vor der japanischen Westküste ins Meer, wie das Verteidigungsministerium in Tokio mitteilte. Die zweite Stufe schlug demnach vermutlich 1270 Kilometer von der Nordostküste Japans im Pazifik auf. "Selbst wenn ein Satellit gestartet wurde, betrachten wir dies als den Test einer ballistischen Rakete", sagte der japanische Regierungssprecher Takeo Kawamura. "Wir sind deswegen sehr besorgt."
US-Präsident Barack Obama rief die Regierung in Pjöngjang zur Einhaltung der UN-Resolutionen auf. Der US-Präsident ließ von Prag aus eine Erklärung veröffentlichen, in der er Nordkorea vor einer weiteren Isolation warnte. Ein Sprecher des Außenministeriums in Washington sagte, die Regierung werde "geeignete Schritte" ergreifen. Nordkorea dürfe nicht straflos die Sicherheit anderer Länder gefährden. "Die Entwicklung, Stationierung und Verbreitung von Raketen und Raketentechnik stellt eine ernsthafte Bedrohung von Nordostasien und der internationalen Gemeinschaft dar", sagte Fred Lash.
Die chinesische Regierung rief alle Seiten zu Zurückhaltung auf. In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, alle Seiten sollten um die Wahrung des regionalen Friedens bemüht sein. China ist Nordkoreas wichtigster Verbündeter und an den Sechs-Parteien-Gesprächen mit Pjöngjang beteiligt, die nun als gefährdet gelten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte kritisierte in einer in Paris veröffentlichten Erklärung, der Raketenstart sei "nicht zielführend für die Bemühungen um Förderung von Dialog, regionalem Frieden und Stabilität".
Das Auswärtige Amt in Berlin hat sich besorgt über den Raketenstart geäußert. Der Start der Rakete sei "eine klare Provokation", welche die Lage auf der koreanischen Halbinsel weiter zu verschärfen drohe, sagte am Sonntag eine Sprecherin von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin. Es müsse alles getan werden, um Nordkorea von diesem falschen Weg abzubringen.
Laut Südkorea hat die Rakete die Umlaufbahn nicht erreicht. Alle Teile der Langstreckenrakete seien ins Meer gestürzt, sagte der südkoreanische Verteidigungsminister Lee Sang Hee nach Angaben seines Büros. "Deswegen ist nichts in den Orbit gebracht worden."
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