Christenprozess in Kabul: Wende im Fall Rahman
zuletzt aktualisiert: 26.03.2006 - 15:30Kabul (rpo). Hoffnung für Abdul Rahman: Ein Kabuler Gericht wies Angaben aus Justizkreisen zufolge die Klage gegen den zum Christentum konvertierten Afghanen wegen Mangels an Beweisen ab. Dem 41-Jährigen droht wegen Abtrünnigkeit vom Islam die Todesstrafe.
Rahman sei bald freizulassen, die Staatsanwaltschaft könne aber weiter gegen ihn ermitteln, so die Quelle. "Das Gericht hat die Klage gegen Abdul Rahman wegen fehlender Informationen und zu vieler offener rechtlicher Fragen abgewiesen", sagte ein Gewährsmann, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte. "Die Entscheidung über seine Freilassung wird möglicherweise morgen (Montag) erfolgen."
Ein Sprecher des Obersten Gerichts, Abdul Wakil Omeri, bestätigte, dass die Klage "wegen Problemen mit den Beweisen der Anklage" abgewiesen worden sei. Der Gewährsmann sagte, während die Staatsanwaltschaft den Fall weiter prüfe, müsse Rahman nicht im Gefängnis festgehalten werden. Aus diplomatischen Kreisen in Kabul verlautete, es stehe nun die Frage im Raum, ob Rahman in Afghanistan bleiben oder ins Exil gehen werde.
Rahman wurde noch am Sonntag nach Todesdrohungen von Mithäftlingen aus einem überfüllten Untersuchungsgefängnis in eine Hochsicherheitsanlage bei Kabul verlegt, wie afghanische Behördensprecher mitteilten. Rahman sei in das Politscharki-Gefängnis gebracht worden, in dem auch hunderte von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern einsitzen. Der Direktor des Hochsicherheitsgefängnisses, Schahmir Amirpur, bestätigte die Einweisung und sagte, Rahman habe die Aufseher angefleht, ihm eine Bibel zu geben.
Rahman wurde unterdessen von einer italienischen Zeitung mit den Worten zitiert, er sei bereit, für seinen Glauben zu sterben. In einem Interview mit "La Repubblica" sagte er weiter: "Ich bin gefasst. Ich bin mir vollkommen dessen bewusst, für was ich mich entschieden habe. Wenn ich sterben muss, werde ich sterben." "La Repubblica" führte nach eigenen Angaben kein direktes Interview mit Rahman, sondern gab einem Menschenrechts-Mitarbeiter schriftliche Fragen mit, der den 41-jährigen in der Haft besuchen konnte.
Unter dem Druck aus dem Ausland beriet der afghanische Präsident Hamid Karsai am Wochenende mit mehreren Kabinettsministern über das Schicksal Rahmans. Am Freitagabend war aus Regierungskreisen verlautet, der 41-Jährige werde möglicherweise in den kommenden Tagen freigelassen.
Unterdessen bat Papst Benedikt XVI. bat Karsai um Gnade für Rahman. Die päpstliche Bitte wurde in einem Brief vorgetragen, den Kardinal Angelo Sodano schrieb, wie Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls bestätigte. Der Papst habe sich darin auf die Achtung vor der Religionsfreiheit berufen.
Rahman, der viele Jahre in Deutschland lebte, war vor 16 Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Das kann nach dem in Afghanistan gültigen islamischen Recht mit dem Tode bestraft werden. Allerdings ist in der afghanischen Verfassung auch festgeschrieben, dass sich der Staat an die Internationale Menschenrechtserklärung hält. Deren Artikel 18 garantiert die Glaubensfreiheit und das Recht auf eine Änderung der Religion. Der Fall stieß international auf scharfe Kritik.
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