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"Wer ist der nächste?"
Trump scherzt nach weiteren Abgängen im Weißen Haus

"Wer ist der nächste?" Trump scherzt nach weiteren Abgängen im Weißen Haus
Wohl bald Vergangenheit: Trump und McMaster im Gespräch (Archivbild). FOTO: rtr, JPR/BSP /KV
Washington . Das Personalkarussell im machtzentrum der USA kommt nicht zur Ruhe: Der US-Präsident könnte sich von seinem Sicherheitsberater McMaster trennen, ist aus dem Weißen Haus zu hören. Auch andere Stühle wackeln - der Präsident möchte von seinen Mitarbeitern nicht gebremst werden.

US-Präsident Donald Trump nahm die morgendlichen Fernsehnachrichten amüsiert auf. Selbst der von Trump geliebte Sender Fox News berichtete aufgeregt über Tumult im Weißen Haus, während der Präsident am Donnerstag mit Vizepräsident Mike Pence und Stabschef John Kelly über die jüngsten Personalabgänge sprach. Lachend fragte Trump: "Wer ist der nächste?" Und das ist genau die Frage, die das ganze Weiße Haus nervös macht.

In den vergangenen Tagen und Wochen hat Trumps oberster Wirtschaftsberater Gary Cohn wegen einer politischen Meinungsverschiedenheit seinen Rücktritt erklärt, Außenminister Rex Tillerson wurde gefeuert und eine Reihe hochrangiger Berater steuerte auf die Ausgänge zu. Ein zunehmend selbstsicherer Trump erwägt im kleinen Kreis weitere Wechsel und äußert sich frustriert über bestimmte Berater.

McMaster ist wohl der nächste Abgang

In Trumps Umfeld wird erwartet, dass bald weitere Personalwechsel folgen werden. Der Präsident steuere darauf zu, den nationalen Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster zu ersetzen, habe sich aber noch nicht für den genauen Zeitpunkt und einen Nachfolger entschieden, sagten vier Personen, die mit den Überlegungen im Weißen Haus vertraut sind. Auch von Kelly ist Trump genervt, wie Vertraute des Präsidenten berichten. Und Kriegsveteranenminister David Shulkin, wegen Ethikverstößen in der Kritik, scheint um seinen Posten zu kämpfen.

Die Spekulationen über McMaster waren so intensiv, dass die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, versuchte, die Angelegenheit zu beruhigen, indem sie am Donnerstagabend twitterte, sie habe gerade mit dem Präsidenten und McMaster gesprochen, und im Gegensatz zu manchen Berichten sei deren Arbeitsverhältnis gut und es gebe keine Änderungen im Nationalen Sicherheitsrat.

Dieser Bericht über die Spannungen im Weißen Haus basiert auf Gesprächen mit zehn der dortigen Mitarbeiter, die mit den Überlegungen im Präsidentenflügel des Gebäudes vertraut sind. Alle wollten, dass ihre Namen nicht genannt werden, da sie nicht befugt sind, über interne Angelegenheiten zu sprechen.

Trump will mehr Ja-Sager

Trump ist nun mehr als 14 Monate im Amt und passt seinen Regierungsapparat an. Er will Personen, bei denen es wahrscheinlicher ist, dass sie mit seiner Politik übereinstimmen und seine Launen tolerieren. Die Zersplitterung, die den Anfang seiner Amtszeit prägte, hat nachgelassen und er hat einige enge Mitarbeiter verloren, die mit seinen wechselhaften Impulsen umgehen konnten. Manche haben den Eindruck, dass das Weiße Haus zunehmend eher wie ein Cheerleader-Team agiert und weniger wie eine Guppe von Rivalen.

Trump wies Berichte über drohende Abgänge zwar zurück, schien aber weitere bevorstehende Änderungen anzudeuten, als er am Donnerstag sagte: "Es wird immer Veränderung geben."

Unter Trump hat es mehr Wechsel bei wichtigen Regierungsmitarbeitern gegeben als unter seinen Amtsvorgängern. Wirtschaftsberater Cohn und Kommunikationsdirektorin Hope Hicks werden das Weiße Haus in den kommenden Wochen verlassen. Außenminister Tillerson ist gerade gefeuert worden. Und Mitarbeiter auf den unteren Ebenen waren besonders beunruhigt wegen des Ausscheidens von Trumps persönlichem Berater John McEntee vor wenigen Tagen, der vom Gelände geführt wurde und kurz danach einen Job bei Trumps Wahlkampfteam für die nächste Präsidentenwahl bekam.

Trump will Bremser loswerden

Trump hat in den vergangenen Wochen in vertraulichen Gesprächen mit Beratern und Freunden seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, seinen Regierungsapparat umzuformen. Obwohl das Trommeln der Russland-Ermittlung lauter geworden ist, glaubt der Präsident, dass seine jüngsten Entscheidungen über Zölle und Nordkorea seiner Regierung neues Leben eingehaucht haben. Er ist erpicht darauf, weitere kühne Schritte zu unternehmen, um eigene Zeichen zu setzen. Er wolle Mitarbeiter loswerden, die ihn zurückhielten, sagte er Vertrauten.

Trump ist verärgert über McMasters Gebaren und beklagt, dass sein Berater ihn belehre, wie drei gegenwärtige und ehemalige Regierungsmitarbeiter sagten. McMaster sei bei manchen internen Diskussionen an den Rand gedrängt worden und Kelly habe wegen persönlicher Spannungen eine aktivere Rolle bei außenpolitischen Entscheidungen eingenommen.

Zwischen Trump und McMaster hat es bei mehreren Themen Meinungsverschiedenheiten gegeben, darunter das Atomabkommen mit dem Iran und der Umgang mit Nordkorea. Der Sicherheitsberater ist auch mit Kelly und Verteidigungsminister James Mattis aneinandergeraten, wie zu hören war.

McMaster passt nicht gut zum Politikstil im Weißen Haus und mag die Rivalitäten nicht, die den Westflügel mit dem Präsidentenbüro oft spalten. Als Trump in der Vergangenheit schon mal unzufrieden mit seinem Sicherheitsberater war, gab es Gerüchte im Weißen Haus, dass dem Drei-Sterne-General McMaster eine sanfte Landung bereitet werden könnte, indem er einen vierten Stern und das Kommando in einer wichtigen Region wie Afghanistan oder Korea erhält, wie ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter berichtete.

Kelly wird zugeschrieben, im chaotischen Westflügel Ordnung geschaffen zu haben, doch auch seine Beziehung zu Trump ist belastet. Der Präsident erzählte kürzlich einem Vertrauten, er sei frustriert, weil Kelly sagte, Trumps Überlegungen zu einer Mauer an der Grenze zu Mexiko hätten sich "entwickelt".

Die Neuzugänge in Trumps Regierungsapparat haben oft tendenziell engere Verbindungen zum Präsidenten. Als künftigen Außenminister hat Trump CIA-Direktor Mike Pompeo nominiert, seit Langem ein Liebling des Präsidenten, der die seltene Fähigkeit demonstriert hat, im Westflügel zu navigieren. Pompeo hatte Trump bereits im Wahlkampf unterstützt und entwickelte eine enge persönliche Beziehung zu ihm, indem er seiner täglichen Unterrichtung über Geheimdiensterkenntnisse regelmäßig beiwohnte.

(felt/ap)
 
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