| 14.09 Uhr

18 Monate altes Kind gestorben
Netanjahu schockiert über Brandanschlag auf palästinensisches Haus

Westjordanland: Kleinkind stirbt nach Brandanschlag nahe Nablus
Verwandte des Kindes, das bei dem Brandanschlag im Westjordanland ums Leben kam, sammeln in dem ausgebrannten Haus private Habseligkeiten ein. FOTO: dpa, ab pt
Nablus. Bei einem mutmaßlichen Brandanschlag jüdischer Siedler auf ein palästinensisches Haus im Westjordanland ist ein Kleinkind gestorben. Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete, israelische Siedler hätten am Freitagmorgen Brandflaschen auf zwei Häuser in einem Dorf südlich von Nablus geworfen.

Ein 18 Monate altes Kind habe so schwere Brandverletzungen erlitten, dass es starb. Mindestens drei weitere Familienmitglieder seien verletzt worden. Anwohner sagten, die Angreifer seien nach der Brandstiftung in eine nahegelegene jüdische Siedlung geflohen.

Die israelische Armee bestätigte den Vorfall. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb in einer Mitteilung, er sei schockiert, über die "entsetzliche Tat". Die israelische Regierung verurteilte den terroristischen Akt entschlossen. Er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, alles zu unternehmen, um die Täter zu fassen und vor Gericht zu stellen.

Fotos: Benjamin Netanjahu – Israels Ministerpräsident FOTO: dpa

Militärsprecher Peter Lerner nannte den Fall in einer Mitteilung einen "barbarischen Akt des Terrorismus". Man suche derzeit nach Verdächtigen. Auch israelische Politiker haben den Brandanschlag auf Palästinenser im Westjordanland scharf verurteilt. Verteidigungsminister Mosche Jaalon nannte die Tat am Freitag "einen schwersten Terroranschlag". Man werde nicht erlauben, dass jüdische Terroristen Palästinenser angreifen und die Täter verfolgen. Israels Bildungsminister Naftali Bennett sprach der Nachrichtenseite "ynet" zufolge von Mord. Oppositionsführer Izchak Herzog nannte das Verbrechen "Terrorismus der schlimmsten Art".

Nach Angaben der israelischen Armee wurde intensiv nach den Tätern gesucht. Militärsprecher Peter Lerner nannte den Fall in einer Mitteilung einen "barbarischen Akt des Terrorismus". Nach ersten Untersuchungen zufolge seien an den Häusern hebräische Graffiti gefunden worden.

Der Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte die israelische Regierung für das Verbrechen verantwortlich. Der Vorfall wäre nicht geschehen, würde Israel seine Siedlungen nicht immer weiter ausbauen.

Krawalle zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften

Nach dem Anschlag kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. In der Stadt Hebron bewarfen Hunderte Anhänger der radikalislamischen Hamas am Freitag israelische Soldaten mit Steinen. Zu Ausschreitungen kam es nach Polizeiangaben auch nahe der Jerusalemer Altstadt. Dabei sei ein Beamter leicht verletzt worden. Aus Furcht vor Krawallen wurden zu den Freitagsgebeten in der Al-Aksa-Moschee nur Männer im Alter über 50 sowie Frauen durchgelassen. 

Der Menschenrechtsorganisation Betselem zufolge leben im Westjordanland rund 350.000 israelische Siedler. Immer wieder gibt es im Westjordanland Ausschreitungen und Anschläge von beiden Seiten.

(dpa/REU)
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