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Propaganda über Mittelwelle: Wie die Kommunikation der Taliban funktioniert

zuletzt aktualisiert: 02.08.2007 - 12:00

Berlin (RPO). In den vergangenen Wochen haben die Taliban die Weltöffentlichkeit wiederholt mit Des- und Fehlinformationen verunsichert. Ein Taliban-"Medienkomitee" gibt es schon seit der Zeit der russischen Besatzung. Die "Öffentlichkeitsarbeit" der Terroristen hat sich zuletzt aber zunehmend professionalisiert. Sie läuft über vier Kanäle: den regionalen Hörfunk, zahlreiche Printmagazine, die offizielle Internet-Seite sowie direkt über verschiedene Sprecher.

Radiosender wie "Stimme der Scharia" oder "Ruf der Heimat" liefern zielgerichtete Taliban-Propaganda auch zu aktuellen Ereignissen. Eigene Verluste werden beschönigt, Erfolge übertrieben. Die teils mobilen Sender funken auf Mittelwelle, da diese schwer aufgeklärt werden kann und eine große Reichweite hat. Häufig wird nur in kleinen Zeitfenstern gesendet, die vorher von Boten in der Region angekündigt werden.

Die offizielle Website der Taliban (zuletzt alemarah.org) liefert Propaganda und "Nachrichten" in fünf Sprachen, darunter Englisch. Die Sprecher äußern sich zeitnah zu fast jedem Anschlag oder Gefecht in Afghanistan. Die Seite ist auf mehrere Server verteilt. Wird einer - etwa durch Hackerangriffe - abgeschaltet, geht die Website meist schnell wieder online.

Die Sprecher der Taliban haben meist eine Ausbildung im Ausland genossen, etwa Informatik in Pakistan studiert. Sie sind überwiegend jung - zwischen 26 und 32 - und verfügen über einfache Englisch-Kenntnisse. Eine Ausnahme bildet der hohe Taliban-Sprecher Qari Yousuf Ahmadi, der ausschließlich Paschtu spricht und angeblich eher wie ein einfacher Landbewohner wirkt.

Die Nachrichtendienste gehen davon aus, dass das Taliban-Medienkomitee - anders als Al-Qaida oder ähnliche Gruppierungen im Irak - nicht über direkte Verbindungsleute in Deutschland verfügt. Über die Medienlage in Deutschland unterrichten sie sich vielmehr selbst per Internet - mit Laptop und Datenhandy.

Die Nachrichtendienste gehen auch davon aus, dass die zuletzt in Erscheinung getretenen Taliban-Sprecher keineswegs selbst ernannte sind, sondern tatsächlich für die Taliban sprechen. Offen ist aber, wie nah sie im Einzelfall - etwa bei einer Entführung - mit der Führungsebene oder den regionalen Taliban-Kommandeuren in Kontakt stehen.

Zudem sind die Kompetenzen der meist für bestimmte Regionen zuständigen Sprecher nicht klar abgegrenzt. So kommt es immer wieder zu widersprüchlichen Verlautbarungen. Teils bringen die Sprecher - als Trittbrettfahrer von Nachrichtenmeldungen - auch gezielt Des- und Fehlinformationen in Umlauf.

Quelle: afp

 
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