Die Macht im Iran verteilt sich auf ein
komplexes System von ernannten Geistlichen und gewählten Politikern.
Oftmals blockieren sich die Institutionen gegenseitig. Damit ist jedoch gewährleistet, dass es in politischen System aus Theokratie und Demokratie keine drastischen Veränderungen geben kann.
Im Folgenden die wichtigsten Akteure und Institutionen Landes im Überblick.
Das geistliche Oberhaupt
Das geistliche Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Chamenei: Er hat in allen wichtigen innen- und außenpolitischen Fragen das letzte Wort.
Entweder liegt ein Entscheidungsbereich direkt in seiner Kompetenz oder er kontrolliert ihn über ein Netzwerk handverlesener Getreuer und Institutionen, darunter Justiz, Geheimdienste und auch die mächtigen Revolutionsgarden.
Der Wächterrat
Die
Gruppe aus zwölf Experten für islamisches Recht kontrolliert die Zulassung der Kandidaten für Wahlen.
Zudem dient der Rat als eine Art Verfassungsgericht und kann vom Parlament beschlossene Gesetze zurückweisen.
Expertenrat
Das Volk wählt ebenfalls im Abstand von vier Jahren 86 Mitglieder des schiitischen Klerus' in dieses Gremium. Der Rat wählt den Obersten Geistlichen Führer.
Der Präsident
Die Macht des vom Volk gewählten Präsidenten wird vom Einfluss der Geistlichen eingeschränkt.
Der Präsident steuert mit seinem Kabinett die Wirtschafts-, Bildungs- und Sozialpolitik.
Zudem kann er das Maß an gesellschaftlicher Freiheit, politischer Offenheit und Pressefreiheit beeinflussen - das letzte Wort hat dabei jedoch die nicht gewählte Geistlichkeit, die Entscheidungen blockieren oder zur Makulatur werden lassen kann.
Die Außenpolitik
Der Präsident repräsentiert das Land international.
Die Leitlinien der Außenpolitik werden jedoch vom obersten geistlichen Führer bestimmt.
Auch bezüglich des umstrittenen Atomprogramms hat jener das letzte Wort.
Das Parlament
Die 290 Abgeordneten werden alle vier Jahre gewählt.
Sie haben großen Einfluss bei der Bestimmung der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Aber auch ihre Entscheidungen können von führenden Geistlichen blockiert werden.
Der Schlichtungsrat
Das
Gremium vermittelt in Streitfällen zwischen Parlament und Wächterrat, unterstützt jedoch zumeist die Position des geistlichen Führers Chamenei.
Dieser ernennt alle Mitglieder des Gremiums persönlich.
Dadurch ist es de facto auch ein Beratungsorgan für den Ayatollah.
Der Expertenrat
Ein Gremium von 86 Geistlichen, die nach der Vorauswahl durch den Wächterrat vom Volk gewählt werden.
Die offizielle Rolle des Expertenrats ist die Kontrolle der Arbeit von Ayatollah Chamenei.
Die Hauptaufgabe ist jedoch die Wahl eines Nachfolgers beim Tod des geistlichen Staatsoberhaupts.
Vorsitzender ist derzeit der einflussreiche ehemalige Präsident Haschemi Rafsandschani.
Er hatte vor der Präsidentenwahl den Reformer Mir Hossein Mussawi unterstützt.
Revolutionsgarden
Die Garden (Pasdaran) sind die Elitetruppe des Landes und – anders als die Armee – eine "Erfindung" der islamischen Republik. Die Truppen gelten als besonders regimetreu. Die Treue zu Chamenei soll angesichts der Wirtschaftskrise Risse bekommen haben.
Armee
Die Armee hat als vorrevolutionäre Institution überdauert. Vor 1979 wurde sie von den USA ausgestattet und beraten.
Sie genießt innerhalb der Führung weniger Vertrauen als die Revolutionsgarden. Im Kriegsfall gehört ihre Führung zum Nationalen Sicherheitsrat.
Basidsch
Die Basidsch sind eine Art Freiwilligenarmee, die im Krieg mit dem Irak in den 80er Jahren gegründet worden ist. Sie umfasst alle Bevölkerungsschichten, vor allem Mitglieder der frommen Provinzbevölkerung. Ahmadinedschad kann auf ihre Sympathien bauen.
Theologenschule von Qom
Die wichtigsten theologischen Bildungsstätten der Schiiten liegen eigentlich im Irak, in Nadschaf und Kerbela. Doch mit Khomeinis Revolution hat die südlich von Teheran gelegene Stadt Qom enorm an Bedeutung gewonnen.