Rauchschwaden in der Nähe des US-Hauptquartiers: Wieder massive Explosionen in Bagdad
zuletzt aktualisiert: 04.11.2003 - 17:59Bagdad (rpo). Erneut ist das Zentrum Bagdads am Dienstagabend von schweren Explosionen erschüttert worden. Dicke Rauchschwaden stiegen in der Nähe des Hauptquartiers der US-Besatzungstruppen auf.
Nach Angaben der US-Verwaltung entstand kein Schaden; auch wurde niemand verletzt. Erst am Montag schlugen drei Mörsergranaten ein, von denen eine eine US-Kaserne traf.
Bei der Explosion einer Bombe wurde am Dienstag ein US-Soldat getötet, zwei weitere wurden verletzt. In der nordirakischen Stadt Mossul feuerten militante Gegner der US-Besatzung fünf Granaten auf ein Hotel, in dem amerikanische Soldaten untergebracht waren. Verletzt wurde nach Angaben der US-Armee niemand. Ebenfalls in Mossul fiel ein christlicher Richter am Dienstag einem Anschlag zum Opfer. Ismail Jussef war stellvertretender oberster Richter am Berufungsgericht der Provinz Nineweh, wie die Polizei mitteilte. Die britischen Streitkräfte teilten am Dienstag mit, dass bereits am Freitag ein Soldat bei einem Einsatz der Koalitionstruppen ums Leben gekommen sei.
Wegen der kritischen Lage kündigte Spanien am Dienstag den Abzug der meisten Diplomaten aus Bagdad an. Die spanische Botschaft bleibe zwar offen, sagte Außenministerin Ana Palacio am Dienstag in Berlin. Die Zahl von 29 Diplomaten und Angestellten werde aber auf vier verringert. Spanien hat 1.300 Soldaten in Irak im Einsatz. Im Oktober hatten bereits Bulgarien und die Niederlande Diplomaten aus Bagdad abgezogen.
Der führende Sicherheitsberater in der US-Zivilverwaltung für Irak, Walter Slocombe, lehnte am Dienstag Vorschläge ab, die aufgelöste irakische Armee zur Bekämpfung der Aufstandsbewegung zu aktivieren. Dies wäre ein schwerer Fehler, sagte Slocombe in Bagdad. Eine Mobilisierung von Irakern würde nur undisziplinierte Menschenscharen anlocken. Im Oktober hatte der amtierende Präsident des irakischen Übergangsrates, Ijad Allawi, vorgeschlagen, die alte irakische Armee gegen die Rebellen einzusetzen.
Nach dem Absturz eines Hubschraubers der US-Streitkräfte vom Sonntag trafen fünf weitere Soldaten zur medizinischen Behandlung in Landstuhl ein. Die elf am Vortag angekommenen Verletzten seien in stabiler Verfassung, teilte ein Arzt des Militärkrankenhauses mit. Bei dem Absturz kamen 16 Soldaten ums Leben.
In Washington bewilligte der US-Senat den Nachtragshaushalt über 87,5 Milliarden Dollar für den Einsatz in Irak und Afghanistan. Das Milliardenpaket werde dazu beitragen, Irak sicherer zu machen und die Übergabe der Regierungsgewalt an die Iraker vorzubereiten, erklärte Bushs Sprecher Scott McClellan.
Die Vereinten Nationen setzten unterdessen eine Kommission zur Untersuchung von Sicherheitsdefiziten am UN-Hauptquartier in Bagdad ein, das am 19. August Ziel eines schweren Anschlags geworden war. Vier unabhängige Experten sollten untersuchen, wer für die Sicherheitsmängel verantwortlich war, teilte ein UN-Sprecher in New York mit. Der UN-Bevollmächtigte für Sicherheitsfragen, Tun Myat, und der derzeitige Leiter der UN-Mission in Bagdad, Ramiro Lopes da Sliva, legten ihre Ämter bis zum Abschluss der Untersuchung vorläufig nieder. Da Sliva war zum Zeitpunkt des Anschlags, bei dem auch der UN-Sondergesandte für Irak Sergio Vieira de Mello ums Leben kam, für die Sicherheit in Bagdad zuständig.
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