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Dokumente veröffentlicht
Wikileaks stellt Saudi-Arabien an den Pranger

Wikileaks stellt Saudi-Arabien an den Pranger
Die Führer Saudi-Arabiens könnten durch die neuen Wikileaks-Enthüllungen in Erklärungsnot geraten. FOTO: ap
Istanbul . Saudi-Arabien beobachtet offenbar mit Argusaugen die Aktivitäten seines Rivalen Iran. Dies geht aus diplomatischen Dokumenten hervor, die die Enthüllungsplattform Wikileaks ins Internet gestellt hat.

Unter den rund 60.000 Depeschen ist zum Beispiel ein nicht datiertes Memo, in dem die saudische Botschaft in Teheran über Unzufriedenheit der Iraner und ihren Wunsch nach einem Regimewechsel spekuliert. Darin wird erwogen, soziale Probleme im Iran über Facebook oder Twitter publik zu machen und mit Oppositionspolitiker zu kooperieren.

Aus anderen Papieren wird deutlich, dass Saudi-Arabien auch die mutmaßlichen Freunde des Iran genau im Blick behält. Ein Memo aus dem Jahr 2012 äußert Sorge über Annäherungsversuche der USA an den Iran. Ein Dokument aus demselben Jahr beschuldigt die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland, die internationalen Sanktionen gegen den Iran zu umgehen. Ein drittes, als "streng geheim" deklariertes Memo unterstellt dem Iran, 2012 Luftangriffe auf die südsudanesische Armee geflogen zu haben.

Die saudische Regierung zieht die Echtheit der Dokumente bislang nicht in Zweifel, reagierte aber auch nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme. Das Außenministerium warnte indes am Samstag über Twitter die eigenen Staatsbürger davor, Webseiten mit illegal enthüllten Informationen zu besuchen, "die unwahr sein könnten und der Nation Schaden zufügen könnten".

In den Papieren finden sich zahlreiche Informationen, die nicht nachzuprüfen sind. So sollen Golfstaaten angeblich bereit gewesen sein, zehn Milliarden Dollar (heute rund 8,8 Milliarden Euro) für die Freilassung des 2011 in Ägypten abgesetzten Präsidenten Husni Mubarak zu zahlen. Angeblich soll die damals in Ägypten herrschenden Muslimbruderschaft auch willens gewesen sein, sich auf einen solchen Handel einzulassen. Eine handschriftliche Notiz auf einem saudischen Dokument stellt jedoch fest, das Lösegeld sei "keine gute Idee".

2012 hatte der Anführer der Muslimbrüder, Chairat al-Schater, öffentlich erklärt, Saudi-Arabien habe Milliarden für die Freiheit Mubaraks angeboten. Die Saudis hatten dies damals heftig dementiert.

Hang zum Luxus

Neben derlei Intrigen deuten die enthüllten Papiere auch auf einen ausgesprochenen Hang zum Luxus. So ging es in einem von der Nachrichtenagentur AP in den Depeschen entdeckten Dokument von 2009 um eine unbezahlte Rechnung von 1,5 Millionen Schweizer Franken für Limousinen- und Hoteldienste, die die saudische Prinzessin Mala al-Ibrahim genutzt haben soll.

Die Prinzessin soll sich aus dem Staub gemacht haben, bevor die erste Rate bezahlt war. Als sie auf die Rechnung aufmerksam gemacht wurde, habe sie diese als zu hoch bezeichnet und saudische Diplomaten gebeten, darüber zu verhandeln.

Manager Louis Roulet von der betroffenen Firma Golden Limousine Services bestätigte die Echtheit des Dokuments am Samstag. Der Gesamtpreis sei noch weit höher gewesen als die 1,5 Millionen Franken. Letztlich sei die Rechnung in voller Höhe bezahlt worden. "Wir arbeiten mit dieser Familie nicht mehr, aus offensichtlichen Gründen", sagte Roulet telefonisch.

(ap)
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