Nach Mord: Wirbel an Libanons Regierungsspitze
zuletzt aktualisiert: 10.03.2005 - 15:54Beirut (rpo). Der Libanese tritt kurz nach dem Mord an Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri aus dem Amt zurück - und kommt jetzt wieder an die Macht. Der prosyrische Omar Karami ist mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Das Misstrauen gegenüber Karami angesichts des Todes Hariris hatte noch vor zehn Tagen tausende Demonstranten auf die Straße gebracht.
Den Auftrag erteilte ihm am Donnerstag Staatspräsident Emile Lahoud, wie ein Präsidentschaftssprecher mitteilte. Der pro-syrische Karami ist als Chef einer Übergangsregierung vorgesehen, die auch Mitglieder der Opposition umfassen soll.
Karami war am Montag vergangener Woche wegen wütender Proteste gegen seine prosyrische Regierung zurückgetreten, die von der Opposition für das Attentat auf den populären Ex-Ministerpräsidenten Rafik Hariri verantwortlich gemacht wurde.
Dennoch sprachen sich am Mittwoch in Beratungen mit Lahud 71 der insgesamt 128 Parlamentsabgeordneten für eine Wiedereinsetzung Karamis aus. Der Präsident muss laut Verfassung bei der Berufung des Ministerpräsidenten der Wahl der Parlamentsmehrheit folgen.
Syrische Truppen bewegen sich
Die syrische Armee hat am Donnerstag ihren Abzug aus dem Norden des Libanon beendet. Syrische Soldaten bauten am Morgen einen wichtigen Grenzposten bei Arida ab. Ein syrischer Offizier kündigte an, dass die Truppe in Kürze abrücken werde. Auch auf dem Flugfeld des grenznahen Stützpunkts Koleïaat warteten Panzer und Lastwagen auf das Aufbruchssignal. Der Abzug aus dem Libanongebirge in die Bekaa-Ebene war unterdessen fast abgeschlossen, während die sechs bekannten Einrichtungen des syrischen Militärgeheimdienstes im Libanon am Morgen weiter bestanden.
In der Nacht zum Donnerstag waren Konvois mit Soldaten und Material aus rund 15 Stellungen in und bei Tripolis abgerückt. Die libanesische Armee hatte bereits am Mittwoch die verwaisten syrischen Stellungen im Norden des Landes und insbesondere am Küstenstreifen bis nach Beirut übernommen.
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