Sieg der Islamisten: Wird Mogadischu zur neuen Terror-Hochburg?
zuletzt aktualisiert: 07.06.2006 - 19:11Mogadischu/Washington (rpo). Islamisten haben in der somalischen Hauptstadt Mogadischu die Kontrolle übernommen. Nun befüchten die USA, dass sich die Stadt zu einer neuen Terror-Hochburg entwickeln könnte. Schon heute gilt Mogadischu als Zufluchtsort für Al-Qaida-Anhänger.
Nach der von Islamisten erklärten Einnahme von Mogadischu ist die Lage in der von Anarchie geprägten Stadt verworren. Rund 2000 Menschen protestierten am Dienstag im Norden und Südwesten der Stadt gegen die Machtübernahme der Islamisten und gegen die Einführung der Scharia.
Einflussreiche Warlords verkündeten vor den Demonstranten, ihre Gebiete gegen die Islamisten zu verteidigen. Zeitgleich versammelten sich am nördlichen Rand der Hauptstadt hunderte Islamisten und forderten die Warlords zum Aufgeben auf. Die USA äußerten die Sorge, dass Somalia zu einem neuen Sammelbecken für Terroristen werden könnte.
Der Widerstand gegen die Islamisten wurde von einem Unterclan des Hawiye-Stammes angeführt, der den nördlichen Teil Mogadischus kontrolliert. Der Abgal-Clan werde nicht zulassen, dass in seinem Territorium die Scharia eingeführt werde, und habe die Islamisten angewiesen, aus dem Gebiet herauszubleiben, sagte ein einflussreicher Clanführer, Hussein Scheich Ahmed, der Nachrichtenagentur AFP. Er betonte ferner, dass drei Warlords der Milizen-Allianz ARPCT unter dem Schutz des Clans stünden.
Zwei von ihnen, Musa Sudi Yalahow und Bashir Raghe Shirar, verkündeten vor den versammelten Anhängern, die Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus (ARPCT) werde trotz ihrer militärischen Niederlage bestehen bleiben und die Macht der Islamisten nicht anerkennen. Jeder Zentimeter Land werde verteidigt. Ein Kommandeur der Islamisten rief seinen Anhängern zu, seine Miliz werde weiterkämpfen.
Zufluchtsort für Terroristen
Die Allianz ARPCT kämpft seit vier Monaten gegen die Islamisten. Sie wird angeblich von den USA unterstützt, die eine Machtübernahme der islamischen Extremisten am Horn von Afrika fürchten. Somalia gilt als Zufluchtsort für Anhänger des Terrornetzwerks Al Qaida.
Seine Regierung sei "sehr besorgt", dass Somalia zu einem "sicheren Hafen" für islamistische Terrorgruppen werden könnte, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, am Montag in Washington. Ziel der US-Politik sei es, dass in dem Land stabile Institutionen aufgebaut und die Rechte aller Bürger respektiert würden.
Rund 500 schwer bewaffnete Islamisten-Kämpfer näherten sich nach Angaben von Augenzeugen am Dienstag der 90 Kilometer nördlich von Mogadischu gelegenen Stadt Jowahr, der letzten großen Bastion der ARPCT. Etwa gleich viele Anhänger des Chefs von Jowhar, Mohamad Dheere, hielten sich in einem Camp für die Verteidigung bereit. "Die beiden Gruppen sind drei Kilometer voneinander entfernt", sagte ein Dorfchef. "Die Allianz (der Warlords) ist bereit für die Verteidigung von Jowhar, aber es ist unwahrscheinlich, dass es bald Kämpfe geben wird."
Am Montag hatten islamistische Kämpfer in Mogadischu nach monatelangen Gefechten ihren Sieg über die angeblich von den USA unterstützten Milizen der Warlords verkündet. Der Islamisten-Anführer Scheich Scharif Scheich Ahmed sagte AFP, nun beginne "eine neue Ära ohne Warlords" in der Hauptstadt.
Die Islamisten hatten zuvor den größten Teil der Stadt und einen wichtigen Zufahrtsweg der Milizen eingenommen. Am Sonntag hatten sie bereits die nördlich gelegene Stadt Balad unter ihre Kontrolle gebracht.
In Somalia herrscht seit 1991 Bürgerkrieg. Clanchefs stürzten damals Diktator Mohammed Siad Barre. Seitdem gibt es in dem bitterarmen Land am Horn von Afrika keine funktionierenden staatlichen Institutionen mehr. Das vor anderthalb Jahren ins Leben gerufene Übergangsparlament, der Präsident und die Regierung besitzen keine Autorität.
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