Audienz beim Papst: Wird US-Präsident Bush katholisch?
zuletzt aktualisiert: 13.06.2008 - 12:32Rom (RPO). Diese Ehre wird nur wenigen Menschen zu Teil: Papst Benedikt XVI. hat US-Präsident George Bush am Freitag im Johannesturm im Vatikan empfangen. Normalerweise finden die Audienzen in der Bibliothek statt. Italienische Zeitungen berichten, Bush wolle zum katholischen Glauben übertreten.
Die Schweizergarden standen Wache, als Bush gemeinsam mit seiner Frau Laura vor dem mittelalterlichen Johannesturm aus seiner schwarzen Limousine stieg. "Welche Ehre", rief Bush aus, als er die Hand des Pontifex ergriff. Die US-Botschafterin im Vatikan, die Katholikin Mary Ann Glendon, küsste die Hand des Paptes bei der Begrüßung. Der Johannesturm ist nur für wenige erhabene Gäste des katholischen Oberhauptes reserviert, der seine Privataudienzen für gewöhnlich in seiner Bibliothek abhält.
Nach der Unterredung war ein Spaziergang der beiden Männer in den idyllischen Gärten des Vatikan vorgesehen. Italienische Zeitungen hatten vor der Bush-Audienz über einen möglichen Übertritt des Staatschefs zum Katholizismus spekuliert. Der konservative Journalist Carlo Rossella versicherte in einem Beitrag für "Il Messaggero", er habe aus "glaubhafter Quelle" gehört, dass Bush "über eine Konversion zum Katholizismus nachdenkt". Der US-Präsident habe dies kürzlich dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair eröffnet, der selbst unlängst der römisch-katholischen Kirche beigetreten war. Bush war 1986 von den Anglikanern zur Religion seiner Frau Laura übergetreten, den Methodisten.
In der Zeitung "La Repubblica" werden die Übertrittsgerüchte auf eine Aussage der Protokollchefin des Weißen Hauses, Nancy Goodman Brinker, zurückgeführt. Diese hatte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Ansa erklärt, Bush sei "ein großer Fan des Papstes und empfindet für ihn Hochachtung". Mit dem Pontifex habe der US-Staatschef vor allem eines gemeinsam, schreibt "La Repubblica": die Furcht vor den "Dämonen", die die Welt im 21. Jahrhundert bedrohten. Rossella kündigte auch an, Benedikt XVI. und Bush würden vor einem Bild der Jungfrau Maria gemeinsam beten.
Bush "gewährt der katholischen Kirche und allen Bemühungen des Papstes in Sachen Frieden, Bildung und Hunger volle Unterstützung", sagte Brinker der Nachrichtenagentur Ansa. Der US-Präsident unterhielt vor allem wegen der Invasion im Irak sehr gespannte Beziehungen zu Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. Mit dem gegenwärtigen Pontifex verbinden ihn zahlreiche konservative Überzeugungen wie die Ablehnung von Homosexuellen-Ehen und der Stammzellforschung. Uneinig sind sie sich allerdings in Sachen Todesstrafe, die der Papst ablehnt.
Bush, der vor seinem Abtritt Ende des Jahres eine Abschiedsreise durch Europa unternimmt, hatte am Donnerstag mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gesprochen. Er wollte nach seiner Papst-Audienz nach Frankreich und Großbritannien weiterreisen.
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