| 21.23 Uhr

Putin und der Papst
Treffen eines ungleichen Paars

Putin zur Audienz bei Papst Franziskus
Putin zur Audienz bei Papst Franziskus FOTO: dpa, mau jak
Rom. Sie sind ein ungleiches Paar: Papst Franziskus, der unermüdlich zum Frieden aufruft, der eine Art dritten Weltkrieg heranziehen sieht und gegen "heuchlerische" Mächtige wettert, die den Frieden predigen, aber unter der Hand Waffen verkaufen. Auf der anderen Seite Wladimir Putin, der im Westen als "Aggressor" geschmäht und für Kriegstreiberei in der Ukraine verantwortlich gemacht wird. Am Mittwochabend empfing das Oberhaupt der Katholiken Putin zu einer etwa 50 Minuten langen Privataudienz im Vatikan.

Und der Pontifex sparte nicht mit deutlichen Worten, bekräftigte laut Vatikan, dass eine "aufrichtige und große Anstrengung" nötig sei, um für Frieden in der Ukraine zu sorgen. Und auch sein Geschenk an den Gast aus Russland war symbolträchtig, eine Medaille mit einem Friedensengel. Zuvor hatte Putin den Argentinier lange warten lassen: Mit mehr als einer Stunde Verspätung fuhr seine dunkle Limousine in dem Kirchenstaat vor. Die Männer begrüßten sich mit einem Handschlag und ernsten Mienen - ein Lächeln war nur schwer zu erkennen.

Das Treffen war für die russischen Staatsmedien schon davor der Propaganda-Coup des Jahres. Eben noch wurde der Russe beim G7-Gipfel in Bayern wegen seiner Politik im Ukraine-Krieg verstoßen. Nun sprach er mit Franziskus, zeigte sich vorher noch bei der Weltausstellung Expo in Mailand und traf die italienische Staatsspitze. Nach einem Aussätzigen der Weltgemeinschaft sah das nicht aus - selbst wenn Putin bei einer Pressekonferenz mit dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi fast schon gekränkt Stellung zu dem Rauswurf aus dem Kreis der G8 nahm, also der acht wichtigsten Industrienationen.

Nach der Gipfel-Schmach kann sich Putin kaum bessere Bilder wünschen als mit dem Papst. "Eine Gelegenheit für ein Bild mit Franziskus wird seine Sichtweise, er sei nur ein unschuldiger Zuschauer im Ukraine-Krieg, möglicherweise unterstützen", schrieb das Kirchenmagazin "Catholic Herald".

Der 78-jährige Argentinier scheut Treffen mit umstrittenen Machthabern nicht, und die politische Dimension seines Amtes ist dem Papst wohl bewusst. Auch deshalb nutzte er wohl die Gelegenheit, mit deutlichen Worten für Frieden einzutreten. Auf wessen Initiative es zu dem Putin-Besuch gekommen ist, gab der Vatikan nicht bekannt. Schon wurde in Rom gestreut, dass der Papst Putin treffen wollte, um einen neuen Kalten Krieg zwischen Russland und den USA zu verhindern.

Wladimir Putin trifft Papst Franziskus FOTO: ap, Claudio Peri

Es ist nicht das erste Mal, dass sich "P und P", also Putin und Papst, trafen. Im November 2013 saßen sie 35 Minuten bei einem Gespräch im Vatikan zusammen. Es ging um den Krieg in Syrien und um die Christenverfolgung in dem Land, was auch dieses Mal Thema war. Der Ukraine-Konflikt war damals noch nicht aktuell, weshalb das Treffen diesmal so brisant war. Denn es ging Putin, der sich gern von seiner religiösen Seite zeigt, um den Russland viel näheren Konflikt. 

In der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik ist der orthodoxe Glaube weit verbreitet. Der Großteil der orthodoxen Christen hört auf den Patriarchen in Moskau, andere wiederum auf eigene Kirchenfürsten in Kiew. Es gibt auch Ukrainer katholischen Glaubens. Immer wieder beklagen ukrainische Priester Gewaltexzesse gegen ihre Gotteshäuser - nicht nur im Kriegsgebiet Donbass. Die Moskauer sehen sich in der Westukraine, die Kiewer und Papsthörigen in der Ostukraine Übergriffen ausgesetzt.

Scharf kritisierte unlängst der Moskauer Patriarch Kirill - Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche -, dass die Katholiken eine sehr einseitige Sicht auf den Konflikt in der Ukraine hätten.

Seit langem spricht sich Putin für eine Versöhnung der Ost- und der Westkirche aus. Dabei hebt er Gemeinsamkeiten hervor, wie den Kampf gegen einen moralischen Werteverfall im Westen und gegen eine "Homosexualisierung der Welt". Das Streben nach traditionellen Familienwerten sieht Putin als einigendes Element. Immer wieder betont er, dass er die Kirche nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft im Ostblock als Kraft sieht, die den Menschen Orientierung gibt. Franziskus dürfte das gern hören.

Ob der Papst bald Moskau besuchen wird, blieb nach dem Treffen offen. Bisher scheiterten päpstliche Besuche in der russischen Hauptstadt am Widerstand des Patriarchen. Im Kreml ist auch jetzt zu hören, dass bei aller Wertschätzung für die offene Haltung des Papstes gegenüber der russisch-orthodoxen Kirche die Entscheidung über einen Besuch nicht nur politisch sei. Seit langem ist deshalb im Gespräch, ob ein historisches Treffen der beiden Kirchenführer auf neutralem Gebiet organisiert werden könnte.

(dpa)
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