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"Groß, schön, unbesiegbar"
Wladimir Putin - Russlands Held

Wladimir Putin - eitel, autoritär, entschlossen
Wladimir Putin - eitel, autoritär, entschlossen FOTO: dapd, Johannes Simon
Der Westen hat jegliches Vertrauen in Wladimir Putin verloren. Doch im Inland ist der russische Präsident so beliebt wie noch nie. In Umfragen erreicht er rekordverdächtige Werte. Russland jubelt Putin zu. Kritiker sprechen von der "Sowjetunion 2.0". 

Mit Hilfe der Ukraine-Krise findet das früher so stolze Russland zurück zur Selbstachtung. Seitdem sich der Kreml die Krim einverleibt und den gesamten Westen gegen  sich aufgebracht hat, verspürt das Land wieder so etwas wie Nationalstolz. Die kremlnahe Jugendorganisation Junge Garde schwärmt von der "Größe, Schönheit und Unbesiegbarkeit" des Landes. 

Verbunden ist das mit einer Lichtgestalt namens Putin. Der noch vor zwei Jahren auch in Russland öffentlich umstrittene Präsident sitzt fester im Amt denn je, seine Zustimmungsraten brechen Rekorde. 85 Prozent Zustimmung erreicht er bei den loyalen Instituten und selbst bei den kritischen sind es mehr als 80 Prozent. Die russische Bevölkerung hat seine Liebe zu Putin wiederentdeckt. Zum Vergleich: Noch zu Beginn seiner aktuellen Amtszeit vor zwei Jahren unterstützte ihn noch nicht einmal jeder Zweite. 

Wandel mit der Krim

Geändert hat sich die Großwetterlage spätestens mit dem Anschluss der ukrainischen Halbinsel Krim im März. Sie lässt den russischen Patriotismus in neuem Glanz erstrahlen. Mit dazu beigetragen hat aller Wahrscheinlichkeit nach der scharfe internationale Protest. Reflexartig hat der Druck von außen in Kombination mit russischer Propaganda auch hier zusammengeschweißt. 

Gerade wegen der Sanktionen von EU und USA gegen russische Politiker und Geschäftsleute sowie Unternehmen in der Ukraine-Krise nimmt die Wagenburgmentalität zwischen Ostsee und Pazifik erkennbar zu. Viele fallen in die Rhetorik des Kalten Krieges zurück.

Zurück in der Wagenburg

Ein Angriff auf einzelne gilt als Angriff auf das Land. Demonstrativ ließ Putin ein Konto bei der von Zwangsmaßnahmen betroffenen Bank Rossija öffnen, andere Politiker folgten flugs. Und superreiche Oligarchen, denen Kritiker Korruption und Vetternwirtschaft vorwerfen, stellen die Sanktionen gegen sich als Strafe für ihren patriotischen Einsatz dar.

"Friede - Arbeit - Putin", steht jetzt in sowjet-gleicher Heldenverehrung auf einem Plakat in Moskau, "Wir glauben Putin" auf einem anderen. Der 1. Mai geriet zur landesweiten Jubelfeier über die "Rückkehr" der Krim. Von einem "Russischen Frühling" ist die Rede.

"Wir sind überzeugt, dass der Aufschwung des Patriotismus auf der Krim auf die gesamte Russische Föderation übergreifen wird", meint Sergej Aksjonow, der von Putin eingesetzte Interimsgouverneur der von Kiew abtrünnigen Halbinsel. Plakate wie "Krim und Russland für immer vereint" in Moskau oder St. Petersburg scheinen ihm recht zu geben.

"Wie zu Sowjetzeiten"

Alles geschehe ganz nach dem klassischen nostalgischen Schema, betont der Vizechef des Moskauer Gewerkschaftsverbandes, Alexander Masunow, in der Boulevardzeitung "Moskowski Komsomolez". Das Internetportal newsru.com kommentiert: "Wie zu Sowjetzeiten." Drinnen im Kreml ehrt Putin fünf "Helden der Arbeit". Den Ehrentitel, einst auch in der DDR bekannt, hatte der Präsident erst im Vorjahr wieder eingeführt.

Eine "Rückkehr zur sowjetischen Stilistik", erkennt darin die Tageszeitung "Wedomosti". Das Blatt kritisiert, Kundgebungen und Losungen dienten wie unter den Kommunisten einzig dazu, die massive und bedingungslose Zustimmung zur Politik der Regierung.

Andere erinnert Putin an die Zarenzeit

Für Kritiker sind dies Zeichen, dass Putin einen Staat nach Vorbild der Sowjetunion wiedererrichten wolle, eine "Sowjetunion 2.0". Beobachter fühlen sich eher an den Imperialismus der Zarenzeit erinnert - besonders mit Blick auf den umstrittenen Landgewinn.

Der Anschluss der Halbinsel habe den nationalen Stolz seiner Landsleute geweckt, meint auch Putin. "Es stellt sich heraus, dass der Patriotismus tief in uns steckt", sagt der Präsident unlängst bei einer Fragesendung im Staatsfernsehen.

 

(dpa)
 
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