Gespräche Israel und Iran: Zarte Signale nach 30 Jahren Funkstille
zuletzt aktualisiert: 22.10.2009 - 13:35Jerusalem/Teheran (RPO). Drei Jahrzehnte lang standen sich Israel und Iran in erbittertere Gegnerschaft gegenüber. Nun gibt es zumindest von einer Seite Zeichen für eine vorsichtige Wiederannäherung. Schon seit September spreche man offen über die Atompolitik, teilte eine Sprecherin in Israel mit. Der Iran streitet alles ab.
Wie die Sprecherin der israelischen Kommission für Atomenergie am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP sagte, traf sich eine Vertreterin der Kommission im September mehrfach mit einem Vertreter der iranischen Regierung. Es waren demnach die ersten derartigen Gespräche zwischen Jerusalem und Teheran seit der Islamischen Revolution 1979. Der Iran wies die israelischen Angaben zurück.
"Es gab in einem regionalen Zusammenhang mehrere Treffen zwischen einer Vertreterin unserer Kommission und einem iranischen Regierungsvertreter", sagte Kommissionsprecherin Jael Doron. "Die Treffen fanden hinter verschlossenen Türen statt." Sie seien von Australien organisiert worden. Weitere Einzelheiten könne sie nicht mitteilen. Ursprünglich sei absolute Vertraulichkeit vereinbart worden, die inzwischen aber von dritter Seite durchbrochen worden sei.
Wie das staatliche iranische Fernsehen auf seiner Internetseite berichtete, dementierte der Sprecher der iranischen Atombehörde, Ali Schirsadian, die Angaben über die Gespräche mit Israel. Er sprach demnach von einer Lüge und einem "Akt der Propaganda", die darauf abziele, die jüngsten Gespräche über das iranische Atomprogramm in Genf und Wien zu belasten.
Nach Informationen der israelischen Tageszeitung "Haaretz" war bei den Gesprächen von israelischer Seite Meirav Safari-Odis und von iranischer Seite der Vertreter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Ali Aschgar Sultanijeh, beteilitgt. Die Gespräche fanden dem Bericht zufolge am 29. und 30. September in Kairo statt, laut "Haaretz" sollen an ihnen auch Vertreter aus Jordanien, Ägypten, Tunesien, Marokko, Saudi-Arabien, den USA und der Europäischen Union teilgenommen haben.
Wie "Haaretz" weiter berichtete, fragte Sultanijeh die israelische Vertreterin bei einem der Treffen direkt, ob ihr Land Atomwaffen besitze. Darauf habe diese nur mit einem Lächeln reagiert. Safari-Odis soll ihrerseits die Bereitschaft Israels zu Verhandlungen über eine atomare Abrüstung im Nahen Osten hervorgehoben haben. Dazu müsse es aber eine Friedensregelung geben.
Israel gilt als einzige, aber nicht erklärte Atommacht im Nahen Osten und hat mehrfach zu verstehen gegeben, ein iranisches Atomwaffenprogramm notfalls durch einen militärischen Angriff stoppen zu wollen. Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie eine Atombombe zu entwickeln.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum