G8-Gipfel: Zehn Ziele für Afrika und Klimaschutz
zuletzt aktualisiert: 06.07.2005 - 06:38Edinburgh (rpo). Zehn gemeinsame Erklärungen sind das Ziel des G8-Gipfels, der heute in Schottland beginnt. Im Fokus der Teilnehmerstaaten stehen dabei eine nachhaltige Afrikahilfe und der Klimaschutz. Für die Zeit des dreitägigen Gipfels im schottischen Gleneagles rechneten die Behörden mit zahlreichen Protestaktionen.
Die schwierigsten Verhandlungen wurden beim Thema Klimaschutz erwartet. Die USA sind der einzige G-8-Staat, der das Kyoto-Protokoll von 1997 noch nicht unterzeichnet hat. Der Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Klaus Töpfer, appellierte an die Gipfelteilnehmer, effektive Schutzmaßnahmen für Wälder, Küstengewässer und Marschlandschaften zu beschließen. Wissenschaftler hätten bewiesen, dass Investitionen in die Umwelt sich auszahlten, erklärte der frühere Bundesumweltminister in New York. Zur Bekämpfung der Armut sei es auch notwendig, sauberes Trinkwasser bereitzustellen und die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.
Bundeskanzler Gerhard Schröder stellte sich am Vorabend des Gipfels klar hinter den geplanten Schuldenerlass für die ärmsten Länder. Ferner rief er dazu auf, ein "Signal zur Beruhigung der Ölmärkte" zu setzen.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) beklagte, dass die ursprünglichen G-7 ihre Zusage zur Aufstockung der Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des nationalen Einkommens bei weitem verfehlen würden, wenn sie ihren Kurs nicht grundlegend änderten. In diesen Ländern seien die Durchschnittseinkommen in den letzten 15 Jahren sprunghaft angestiegen, die Ausgaben für die Entwicklungshilfe dagegen real gesunken. Die Statistik erfasst die USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und Kanada. Russland ist nicht enthalten, weil es bei den Vereinten Nationen nicht als Geberland geführt wird.
Dem UNDP zufolge ist die Pro-Kopf-Hilfe für afrikanische Länder südlich der Sahara von 1990 bis 2003 lediglich von 13 auf 16 Dollar angestiegen. Insgesamt sei die Auslandshilfe von 81 auf 74 Dollar pro Person gefallen. Dagegen habe das Pro-Kopf-Einkommen der G-7-Länder im selben Zeitraum um 7.835 Dollar zugenommen. Die Militärausgaben hätten sich pro Einwohner um durchschnittlich 168 Dollar erhöht - in den USA sogar um mehr als doppelt so viel.
Eine Million Demonstranten erwartet
Weltbankpräsident Paul Wolfowitz forderte zur Bekämpfung der weltweiten Armut einen Abbau der Agrarsubventionen in den Industriestaaten. Beihilfen und Handelsbarrieren hinderten Landwirte aus der Dritten Welt daran, auf dem Agrarmarkt zu bestehen. Für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in Ländern der Dritten Welt seien vor allem inländische Investitionen wichtig, fügte Wolfowitz hinzu. Die Bedeutung von Investitionen aus dem Ausland werde häufig überschätzt.
In Edinburgh wurden für Mittwoch rund eine Million Menschen zu einer Großdemonstration erwartet. Damit soll der vom Popsänger Bob Geldof organisierte "Lange Marsch zur Gerechtigkeit" abgeschlossen werden. Die Demonstration schloss an die Live-8-Konzerte vom vergangenen Wochenende an, bei denen die Teilnehmer für einen deutlichen Ausbau der Afrika-Hilfe warben.
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