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Scharon verteidigt Gefangenenaustausch bei Zeremonie: Zehntausende Libanesen begrüßen freigelassene Landsleute

zuletzt aktualisiert: 30.01.2004 - 06:54

Beirut/Tel Aviv (rpo). Zehntausende Libanesen haben nach dem Gefangenenaustausch mit Israel am Donnerstagabend die freigelassenen 21 Landsleute begrüßt. In Tel Aviv nahmen derweil etwa 500 Freunde und Verwandte die Särge der drei israelischen Soldaten in Empfang.

In einem Meer aus gelben Hisbollah-Fahnen feierten die Menschen in Beirut die Ankunft der Freigelassenen. Begeisterte Landsleute veranstalteten Feuerwerke, im Hafen ertönten zur Begrüßung Schiffshörner. Am Flughafen stiegen als erste die beiden radikalen Schiitenführer Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani aus dem Flugzeug, das sie aus Deutschland in ihre Heimat gebracht hatte. "Dass ich nach Beirut komme, gibt mir das Gefühl, noch einmal geboren zu werden", sagte Obeid. Die beiden Männer waren von Israel entführt worden, um Informationen zu dem im Jahr 1986 über Libanon abgeschossenen israelischen Piloten Ron Arad zu erlangen.

In Tel Aviv versammelten sich rund 500 Freunde und Verwandte der drei getöteten israelischen Soldaten auf dem Ben-Gurion-Flughafen, um deren sterblichen Überreste in Empfang zu nehmen. Vor schlichtem roten Blumenschmuck waren die in die israelische Flagge gehüllten Särge in einem Flughafen-Hangar aufgestellt.

"Im Tod finden sie Ruhe", war dahinter zu lesen. Während der etwa einstündigen Trauerfeier lasen zwei Väter der getöteten Soldaten Gebete vor, Regierungschef Scharon und Staatspräsident Mosche Katsav würdigten die Toten in Ansprachen.

Scharon verteidigte dabei den Gefangenenaustausch gegen Kritik. Die Regierung habe "alle Gegebenheiten in Rechnung gezogen" und schließlich eine "gerechte, moralische und ethische Entscheidung" gefällt, sagte er. "Das Erbe Israels verpflichtet uns, unsere im Kampf gefallenen Soldaten in ihrem Land zu bestatten."

Gleichzeitig warnte er davor, dass die Entführung von Israelis nicht "zur Methode werden" dürfe. "Ich rate niemandem, uns herauszufordern - wir könnten Mittel einsetzen, von denen wir bislang noch keinen Gebrauch gemacht haben." Neben Scharon und Katzav erwiesen auch Verteidigungsminister Schaul Mofas, Parlamentssprecher Reuven Rivlin, Oppositionsführer Schimon Peres und Generalstabschef Mosche Jaalon den Soldaten die letzte Ehre.

Der ebenfalls freigelassene israelische Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum durfte nach der Ankunft in Tel Aviv nur kurz seine Angehörigen begrüßen, dann wurde er mit einem Krankenwagen in ein Militärkrankenhaus in Tsrifim gebracht. Medizinische Untersuchungen sollten klären, ob er vor seiner Freilassung unter Drogen gesetzt wurde.


 
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