Vor Besuch in Israel: Zentralrat der Juden erwartet Entschuldigung vom Papst
zuletzt aktualisiert: 10.05.2009 - 14:19Berlin/München/Amman (RPO). Der Zentralrat der Juden in Deutschland erwartet von Papst Benedikt XVI. während seiner Israel-Reise eine Entschuldigung bei den Juden für die Querelen rund um den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson, dessen Exkommunikation das Kirchenoberhaupt aufhob. Mit einem Appell zum friedlichen Miteinander beendete Benedikt XVI. unterdessen die erste Etappe seiner Nahost-Reise in Jordanien.
Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", spätestens in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Montag werde Benedikt XVI. "gar nichts übrig bleiben", als sich noch einmal zur traditionalistischen Piusbruderschaft und deren Bischof Richard Williamson zu äußern, der den Holocaust leugnet. Es wäre laut Kramer auch eine "schöne Geste", wenn der Papst sich "einmal für die jahrhundertelange Verfolgung der Juden entschuldigen würde".
Bereits vor einer Woche hatte auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp die Erwartung geäußert, dass der Papst in Israel zum Fall Williamson Stellung nehmen werde. Sie betonte, für die jüdische Welt sei nach wie vor nicht "wieder vollkommen vom Tisch". Benedikt XVI. werde bei seinem Besuch von Yad Vashem, "sich Gedanken machen müssen über einen Williamson und über eine Piusbruderschaft".
Kramer betonte, der Papst verkenne die Lage, wenn er sich auf einer "Pilgerreise" wähne. Es gelte vielmehr, "politische Signale zu setzen, die uns Zuversicht vermitteln". Er beklagte, dass Benedikt XVI. beim Holocaust-Gedenken generell zu nüchtern agiere. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Paul II., für den dies eine "Herzensangelegenheit" gewesen sei, habe Benedikt beispielsweise bei seinem Auschwitz-Besuch den Eindruck vermittelt, ein "Pflichtprogramm" zu absolvieren. "Natürlich ist es bitter, dass ausgerechnet der deutsche Papst einen nicht sehr emotionalen Zugang zum Holocaust hat", beklagte Kramer.
Papst ruft in Amman zu friedlichem Miteinander der Religionen auf
Mit einem Appell zum friedlichen Miteinander beendete Benedikt XVI. unterdessen die erste Etappe seiner Nahost-Reise beendet. Vor rund 50.000 Menschen im Fußballstadion von Amman rief das Kirchenoberhaupt am Sonntag die christliche Minderheit zum Verbleib in der Region auf und würdigte die Rolle der Frauen als Botschafterinnen des Friedens. Bereits am Vortag hatte er die Einheit von Christen und Muslimen beschworen.
Es bedürfe eines besonderen Muts, angesichts der ungewissen Lage im Nahen Osten seinen "christlichen Wurzeln und der christlichen Mission im Heiligen Land" treu zu bleiben, sagte der Papst in seiner Predigt vor zehntausenden Gläubigen aus Jordanien und den benachbarten Ländern Syrien und Libanon. Im Beisein des Lateinischen Partriarchen von Jerusalem und Jordanien, Fuad Twal, rief er seine Zuhörer dazu auf, "neue Brücken" zu bauen für Begegnungen der Anhänger der verschiedenen Religionen.
Nachdrücklich bedauerte der 82-jährige Papst, dass Kirche und Gesellschaft nicht immer die Rolle der Frauen als Botschafterinnen der Liebe zu würdigen wüssten. Diese brächten "Wärme und Menschlichkeit in eine Welt, die den Wert eines Menschen allzuoft nach den kalten Kriterien von Nutzen und Profit bestimmt". Danach segnete er rund 1200 Kinder, die während der Messe ihre Erstkommunion erhielten. Am Nachmittag wollte der Papst die Stelle am Jordan aufsuchen, an der Johannes der Täufer Jesus getauft haben soll.
Am zweiten Tag seines Jordanien-Besuchs hatte Benedikt XVI. am Samstag die größte Moschee des Landes in Amman besucht. Im Gespräch mit geistlichen Würdenträgern rief er Christen und Muslime zur Überwindung ihrer Spannungen auf. Zwischen "Mitgliedern der verschiedenen religiösen Traditionen" gebe es Spaltungen, sagte er. Doch sei es falsch, die Religion grundsätzlich als "Ursache der Spaltung unserer Welt" anzusehen. Gerade aufgrund der Last ihrer gemeinsamen Geschichte, die so oft von "Unverständnis" geprägt gewesen sei, sollten sich Muslime und Christen "ihres gemeinsamen Ursprungs und der Würde aller Menschen" bewusst sein. Mehrfach verurteilte der Papst den Missbrauch von Religion, um in ihrem Namen Gewalt zu provozieren.
Es war das zweite Mal, dass der Papst eine Moschee besuchte. Doch anders als 2006 in Istanbul, als er kurz nach seiner umstrittenen Regensburger Rede demonstrativ in der Blauen Moschee gebetet hatte, verzichtete er diesmal auf ein Gebet. Der Papst hatte im Herbst 2006 ein Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. aus dem 14. Jahrhundert verwendet, nach dem Mohammed mit seiner Anordnung, den Glauben mit dem Schwert zu verbreiten, "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht habe. Obwohl Benedikt XVI. inzwischen sein Bedauern über das Missverständnis geäußert hat, belasten seine damaligen Äußerungen bis heute seine Beziehungen zum Islam.
Jordanien war die erste Station der Nahost-Reise des Papstes, die ihn am Montag nach Israel führen wird. Am Samstag ließ er bereits den Ton für seine zweite Etappe anklingen: Beim Besuch des biblischen Berg Nebo, von dem aus Moses das Gelobte Land gesehen haben soll, rief er zur weiteren Vertiefung der Beziehungen zwischen Christen und Juden auf.
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