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Zurückgetretener Ministerpräsident
Hariri will in den Libanon zurückkehren

Zurückgetretener Ministerpräsident Saad Hariri will in den Libanon zurückkehren
FOTO: dpa, HA
Beirut . Der zurückgetretene Ministerpräsident Saad Hariri hat in einem Fernsehinterview seine baldige Rückkehr in den Libanon angekündigt. Hariri sagte am Sonntag seinem Sender Future TV, der Rücktritt sei seine Entscheidung gewesen.

Er wies damit Gerüchte zurück, er sei von Saudi-Arabien gezwungen worden, seine Koalitionsregierung mit der Hisbollah-Miliz zu verlassen. In dem mehr als eine Stunde dauernden Interview kämpfte Hariri mit den Tränen. Er sei zurückgetreten, um sein Land vor einer unmittelbaren Gefahr zu schützen, erklärte er. Einzelheiten nannte er nicht. Der Rücktritt habe ein "positiver Schock" für den Libanon sein sollen. Er sei eine Warnung vor einer iranischen Einflussnahme, die die Beziehungen zu anderen arabischen Ländern zerstöre.

Wenn die Hisbollah künftig in regionalen Konflikten neutral bleibe, bestehe die Möglichkeit, dass er den Rücktritt zurücknehme, erklärte Hariri. Die Hisbollah hat Zehntausende Kämpfer ins benachbarte Syrien entsandt, die dort die Truppen von Präsident Baschar al-Assad unterstützen.

Hariri war am 4. November während eines Aufenthalts in Saudi-Arabien überraschend zurückgetreten. Zur Begründung verwies er auf den Iran, der sich in die Angelegenheiten der sunnitischen Staaten der Region einmische. Libanesische Regierungsvertreter erklärten, der Rücktritt werde nicht akzeptiert, weil er in Saudi-Arabien verkündet worden sei.

"Wir befinden uns im Auge eines Sturms", sagte Hariri. Die Einheitsregierung, die er vor einem Jahr gebildet habe, hätte sich eigentlich an die Vereinbarung halten sollen, sich nicht in regionale Angelegenheiten einzumischen. Die Hisbollah habe ihren Teil der Vereinbarung aber nicht eingehalten.

"Ich bin frei", sagte Hariri. Er kündigte an, er werde innerhalb von Tagen aus Saudi-Arabien in den Libanon zurückkehren und sein Rücktrittsgesuch einreichen. Gleichzeitig erklärte er, zuvor würden Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Er deutete an, dass möglicherweise sein Leben in Gefahr sei.

Hariri verwies auf seinen Vater Rafik Hariri. Der ehemalige libanesische Ministerpräsident wurde 2005 in Beirut bei der Explosion einer Autobombe getötet. "Ich will nicht, dass mir das gleiche passiert", erklärte Hariri.

(felt/ap)
 
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