Nordirland: Zusammenstöße bei Oranier-Marsch in Belfast
zuletzt aktualisiert: 19.06.2005 - 13:15Belfast (rpo). Gewaltsame Zusammenstöße hat der Auftakt der alljährlichen Paraden des Oranier-Ordens in Nordirland ausgelöst. Katholiken griffen am Freitagabend die durch ihr Belfaster Stadtviertel marschierenden Protestanten an. 18 Beamte und mindestens elf Zivilpersonen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Hunderte Polizisten waren im Einsatz, um beide Seiten voneinander zu trennen.
Den Behörden zufolge schleuderten militante Männer und Jugendliche im Stadtteil Ardoyne mehr als eine Stunde lang Flaschen, Ziegelsteine und Brandbomben über die Polizeilinien hinweg auf die Oranier. Erst nach dem Einsatz großer Wasserwerfer beruhigte sich die Lage. Drei Personen wurden festgenommen, weitere Beteiligte sollten mit Hilfe von Überwachungskameras ermittelt werden.
In einer mutmaßlichen Vergeltungsaktion warfen militante Protestanten später Farbbeutel auf Häuser von Katholiken im nahe gelegenen Stadtteil Ligoniel. Auch wurden Gasflaschen eingesetzt, die Brandspuren an den Gebäuden hinterließen. Des weiteren gingen mehrere Fensterscheiben zu Bruch.
Mit ihren Umzügen erinnern die protestantischen Traditionalisten an den Sieg Wilhelms von Oranien über den katholischen König Jakob II. am 12. Juli 1690. Dabei bekunden sie alljährlich ihre Loyalität zur britischen Krone. Die Aufmärsche, die von der katholischen Bevölkerung als Provokation empfunden werden, haben wiederholt zu blutigen Unruhen geführt. Diesmal waren die Oranier angewiesen, bei ihrem Umzug durch Ardoyne zumindest keines ihrer traditionellen Lieder zu spielen.
Sinn Fein nimmt Mordfallverdächtige wieder auf
Die nordirische Sinn Fein nahm derweil fünf Männer wieder auf, deren Parteimitgliedschaft wegen des Verdachts der Verwicklung in einen Mordfall suspendiert worden war. Sie seien alle der Aufforderung von Parteichef Gerry Adams nachgekommen, vor dem polizeilichen Ombudsmann auszusagen, hieß es zur Begründung. Über die Mitgliedschaft eines sechsten Suspendierten werde noch entschieden. Damit könnte der Friedensprozess in Nordirland einen neuen Rückschlag erleiden.
Die Umstände des Mordes an dem Katholiken Robert McCartney haben die Partei, die der Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee nahe steht, viel Popularität gekostet. McCartney wurde Ende Januar in Belfast von mutmaßlichen IRA-Mitgliedern erstochen. Die IRA bot an, die Schuldigen zu töten und schloss drei Tatverdächtige aus, während sich Sinn Fein von rund einem Dutzend Mitglieder trennte.
Protestantische Politiker erklärten, sie fühlten sich wegen des Mordfalls mehr denn je in ihrem Entschluss bestätigt, nicht noch einmal mit Sinn Fein in einer All-Parteien für Nordirland zusammenzuarbeiten.
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