Belfast: Zweite Nacht gewaltsamer Ausschreitungen
zuletzt aktualisiert: 12.09.2005 - 15:34Belfast (rpo). Man mag fast sagen: Hoffentlich sind diese Ausschreitungen nur ein Strohfeuer. Protestantische Extremisten haben sich am Montag die zweite Nacht in Folge Straßenschlachten mit der nordirischen Polizei und britischen Soldaten geliefert.
Rund 700 Randalierer attackierten die Sicherheitskräfte in mehreren Stadtbezirken von Belfast mit selbst gebauten Granaten. Stellenweise fielen auch Schüsse, von denen aber niemand getroffen wurde. Zahlreiche Fahrzeuge gingen in Flammen auf. Nach Polizeiangaben wurden mindestens 18 Beamte sowie mehrere Extremisten verletzt.
Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein und feuerten hunderte Gummigeschosse ab. 16 Personen wurden in Haft genommen. Schon in der Nacht zum Sonntag war es nach dem Verbot einer pro-britischen Parade durch ein katholisches Stadtviertel zu den schwersten von Protestanten ausgelösten Krawallen seit fast einem Jahrzehnt gekommen. Insgesamt wurden seit Samstagabend rund 50 Beamte verletzt. Am Montagmorgen blockierten ausgebrannte Fahrzeuge etliche Straßen, bei mehreren Dutzend Bussen waren die Scheiben eingeschlagen.
Eindeutige Beweise
Der britische Nordirlandminister Peter Hain erklärte, die Belfaster Polizei habe eindeutige Beweise präsentiert, dass die Unruhen von den beiden größten protestantischen Untergrundorganisationen geschürt worden seien. Dies lasse die Frage aufkommen, ob die 1994 erklärte Waffenruhe der UDA und der UVF noch Gültigkeit habe. Nach dem Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 hätten diese beiden Gruppierungen ebenso wie die von katholischen Nationalisten getragene IRA längst ihre Waffen abgeben müssen.
Der protestantische Oranierorden feiert alljährlich mit traditionellen Paraden den Sieg Wilhelms von Oranien über den katholischen König Jakob II. im Jahre 1690. Das Verbot der geplanten Marschroute hatte am Samstagabend noch in sieben weiteren überwiegend protestantischen Orten Nordirlands Ausschreitungen ausgelöst. Teilweise waren darin dann auch katholische Gegendemonstranten verwickelt.
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