Strahlenmessung an Uranmunition wird nicht stattfinden: Ausschuss ließ Scharping abblitzen
zuletzt aktualisiert: 23.01.2001 - 18:38Berlin (AP). Verteidigungsminister Rudolf Scharping will im Verteidigungsausschuss des Bundestages nun doch nicht eine Strahlenmessung an umstrittener Uranmunition vorführen. Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Sitzung zog der SPD-Politiker am Dienstag ein entsprechendes Angebot zurück, nachdem es bei Koalition und Opposition heftigen Widerspruch gegeben hatte. Unterdessen kam heraus, dass auch in Deutschland stationierte US-Panzer über urangehärtete Verstärkungen der Außenhaut verfügen.
Die Verteidigungsexpertin der Grünen im Bundestag, Angelika Beer, sagte zu dem Angebot Scharpings, auf diese Art des Selbsttests verzichte der Ausschuss. CDU-Verteidigungsexperte Paul Breuer sprach von "Kasperletheater". Ihm wären Fakten lieber als eine Show.
Scharping meinte, von den zwölf Zentimeter langen Geschossen gehe "so gut wie nichts" an Strahlung aus. Menschen seien mehr Strahlung ausgesetzt, wenn sie in den Urlaub flögen. Aufzuklären gelte aber noch, ob die Munition mit Spuren von Plutonium behaftet seien.
Messungen an Munitionsresten hatte Scharping am Wochenende bei einem Truppenbesuch im Kosovo selbst beigewohnt. Die panzerbrechende Munition war im Kosovo geborgen worden, wo sie als Fehlschüsse im Boden steckte.
Uran wird aber offenbar nicht nur in panzerbrechenden Waffen, sondern auch zur Verstärkung von Panzerungen eingesetzt. Dies geht aus einer Mittelung der US-Streitkräfte in Heidelberg hervor. Ein Sprecher sagte, Teile der Stirnpanzerungen ihrer schweren Kampfpanzer Abrams M1 bestünden aus abgereichertem Uran. Sie befänden sich überwiegend überwiegend an der Frontseite des Turms, wo sie in rostfreien Stahl eingegossen seien.
Er bestätigte damit teilweise einen Bericht der "Bild"-Zeitung, demzufolge in deutschen Panzern die teureren Keramikverstärkungen bevorzugt würden. Die schweren US-Panzer von etwa 70 Tonnen Gewicht sind dagegen nach offiziellen Angaben seit dem Baujahr 1988 mit Uranverstärkungen ausgestattet. Etwa 400 M1-Panzer der Typen A1 und A2 seien in Deutschland stationiert, einige davon derzeit bei den Friedenstruppen auf dem Balkan.
WHO begann mit Untersuchungen
Die Weltgesundheitsorganisation WHO begann unterdessen im Kosovo mit Untersuchungen möglicher Strahlenschäden in der Bevölkerung wegen des Einsatzes der Uranmunition. Ein vierköpfiges Expertenteam folgt damit nach WHO-Angaben aus Pristina einem Ersuchen des früheren UN-Verwalters für das Kosovo, Bernard Kouchner. Das Militärpersonal der KFOR-Truppe ist in die Untersuchung nicht eingebunden.
Die griechische Atomenergiebehörde teilte unterdessen in Salinik mit, ihre Untersuchungen hätten keine Anhaltspunkte für erhöhte Strahlenwerte ergeben. Griechenland hat 1.500 Soldaten in Bosnien und im Kosovo stationiert.
Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jörg van Essen, kritisierte Scharpings Informationspolitik scharf. Der Minister habe in der Frage von Uranmunition "noch immer nicht den richtigen Weg gefunden", sagte van Essen im Deutschlandradio. Das Verhalten Scharpings habe dazu geführt, dass die Soldaten und ihre Angehörigen verunsichert seien.
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