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Tarifverhandlungen erneut vertagt: Bahn kündigt Warnstreiks im Nahverkehr an

zuletzt aktualisiert: 27.09.2000 - 22:12

Frankfurt/Main (AP). Nach einer neuerlichen Vertagung der Tarifverhandlungen für die 145.000 Eisenbahner ohne Beamtenstatus haben die Gewerkschaften angekündigt, den Nahverkehr in mehreren deutschen Städte lahm legen zu wollen. Warnstreiks seien schon für den Abend und den nächsten Morgen geplant, sagte der Sprecher der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Uwe Reitz, am Mittwoch in Frankfurt am Main. Die Tarifgespräche sollen am 2. Oktober fortgesetzt werden.

Am Donnerstagmorgen werde der S-Bahn-Verkehr in Frankfurt am Main sowie im übrigen Rhein-Main-Gebiet und in mehreren ostdeutschen Städten lahm gelegt, sagte Reitz: "Im Berufsverkehr tut eine solche Aktion am meisten weh, aber man hält uns seit Wochen hin, und da müssen wir jetzt Zeichen setzen." Die Gewerkschaft Transnet, in der rund 80 Prozent der Eisenbahner organisiert sind, stellte Aktionen in weiteren Städten in Aussicht.

"Wer solche Warnstreiks jetzt durchführt, der verkennt die wirtschaftliche Lage der Deutschen Bahn", sagte Bahn-Personalchef Horst Föhr. Zu Beginn der Verhandlungen am Mittwoch hatten rund 250 Eisenbahner in Frankfurt am Main demonstriert.

Bei der Tarifrunde hatte die Deutsche Bahn AG ein neues Angebot vorgelegt. Neben einer Einmalzahlung von 300 Mark sah es eine regional unterschiedliche Lohnerhöhung vor: Ab 2002 hätten alle Eisenbahner ein Prozent mehr Lohn erhalten, teilte die Bahn mit. In Süddeutschland hätte es ab 2001 ein Prozent mehr Geld gegeben, ab 2002 zwei Prozent. "Mit dem Angebot haben wir uns einen erheblichen Schritt auf den Verhandlungspartner zu bewegt", sagte Föhr.

Das Angebot habe "weit unter den Vorstellungen" gelegen, sagte dagegen Reitz. Die mit der Lokführergewerkschaft GDL in einer Tarifgemeinschaft zusammengeschlossene Verkehrsgewerkschaft GDBA fordert vier Prozent mehr Geld und einen deutlichen Schritt vorwärts bei der Angleichung der Gehälter im Osten. Transnet fordert eine Einkommensverbesserung von fünf Prozent.

Bei der Frage der Ost-West-Angleichung habe es überhaupt keine Fortschritte gegeben, sagte Reitz. Die Bahn AG habe die Einzahlung von 1,7 Milliarden Mark in einen Zukunftssicherungsfonds angeboten. Die Gewerkschaften verlangen mindestens vier Milliarden Mark.

Quelle: RPO Archiv

 
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