Fünf Mal lebenslänglich und 40 Jahre Haft: Barghuti in Israel zu Höchststrafe verurteilt
zuletzt aktualisiert: 06.06.2004 - 13:59Jerusalem (rpo). Der palästinensische Politiker Marwan Barghuti ist am Sonntag in Israel zu fünf Mal lebenslänglich und 40 Jahren Haft veruteilt worden. Ihm wird die Verwicklung in mehrere töfliche Terroranschläge vorgeworfen.
Barghuti war bereits vor zweieinhalb Wochen schuldig gesprochen worden. Der Angeklagte wies die Vorwürfe zurück und erklärte, er sei Politiker und als solcher nicht in Gewalttaten verwickelt.
Barghuti wurde unter dem Applaus seiner Anhänger in den Gerichtssaal geführt. Er bekräftigte noch vor der Urteilsverkündung, er erkenne die Zuständigkeit des israelischen Gerichts nicht an. "Die israelischen Gerichte sind Partner bei der israelischen Besatzung", erklärte er. "Die Richter sind wie Piloten, die Bomben abwerfen."
Die drei Richter verurteilten ihn zu fünf Mal lebenslänglich für die Verwicklung in Attentate, bei denen vier Israelis und ein griechischer Mönch ums Leben gekommen waren. Jeweils 20 Jahre Haft erhielt er für einen vereitelten Bombenanschlag auf ein Einkaufszentrum in Jerusalem und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation.
Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat erklärte, die Autonomiebehörde werde das Urteil nicht anerkennen. Das Gericht könne nicht über einen gewählten palästinensischen Vertreter urteilen. Erakat forderte die sofortige Freilassung Barghutis. Barghuti ist der ranghöchste palästinensische Vertreter in israelischer Haft. Er war palästinensischer Abgeordneter und Chef der Fatah-Bewegung von Präsident Jassir Arafat im Westjordanland. Israelische Soldaten hatten ihn im April 2002 in Ramallah festgenommen. Israel wirft Barghuti vor, auch eine führende Rolle bei den Al-Aksa-Brigaden gespielt zu haben, einer der Fatah nahe stehenden Organisation, die sich zu zahlreichen Terroranschlägen bekannt hat.
Barghuti verteidigte in der Vergangenheit Anschläge auf israelische Siedler und Soldaten in den Autonomiegebieten. Er bestritt jedoch, in Gewalttaten verwickelt zu sein. Gleichzeitig sprach er sich für einen palästinensischen Staat an der Seite Israels aus und erklärte, ein Frieden sei möglich, wenn Israel seine Truppen aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen abziehe.
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