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Leverkusen
Bayer kauft Monsanto für 59 Milliarden

Leverkusen. Die größte Übernahme eines deutschen Konzerns ist perfekt. Bayer schluckt den umstrittenen US-Saatguthersteller und will jetzt Milliarden einsparen. NRW mahnt Bayer, die Jobs im Land zu lassen. Von Jan Drebes und Antje Höning

Bayer ist am Ziel. Die Leverkusener können den umstrittenen US-Konzern Monsanto übernehmen. Sie müssen dafür 66 Milliarden Dollar (59 Milliarden Euro) auf den Tisch legen. Das ist die größte Übernahme, die ein deutscher Konzern je gewagt hat. Gestern unterzeichneten die Konzernchefs Werner Baumann und Hugh Grant in New York eine bindende Fusionsvereinbarung. Zuvor hatten der Verwaltungsrat der Amerikaner und der Aufsichtsrat der Deutschen einstimmig grünes Licht gegeben.

Monsanto hat einen schlechten Ruf: Der Konzern ist der weltgrößte Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut und stellt Glyphosat her. Der Unkrautvernichter steht unter Verdacht, Krebs zu erregen. Dennoch sprach Baumann von einem "historischen Tag". Von der Fusion würden Bauern, Verbraucher, Aktionäre und Mitarbeiter profitieren.

Bayer steigt damit vom drittgrößten zum größten Agrochemie-Konzern der Welt auf. Mit 44.000 Mitarbeitern kommt der Agrochemie-Bereich nun auf einen Umsatz von 24 Milliarden Euro. Um die Amerikaner zur Zustimmung zu bewegen, hat Bayer (wie von unserer Redaktion berichtet) auf der Zielgeraden noch einmal nachlegen müssen: Bayer zahlt jetzt 128 Dollar je Monsanto-Aktie, diese stand gestern bei 106 Dollar. Das erste Angebot hatte bei 122 Dollar gelegen. Auch musste Bayer die Ausfallgebühr kräftig erhöhen - auf nun zwei Milliarden Dollar. Diese müssen die Deutschen zahlen, falls die Kartellbehörden den Deal doch noch platzen lassen.

Offen bleiben die Auswirkungen für die Bayer-Mitarbeiter: Bayer will durch die Fusion Synergien von 1,4 Milliarden Euro heben, vor allem durch Kostensenkungen in der Verwaltung. Später sollen weitere Synergien folgen. Ob und wo welche Jobs wegfallen, ist noch offen. Kündigungen sind bei Bayer bis 2020 ausgeschlossen.

Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft IG BCE, warnte davor, die Fusion nur ökonomisch anzugehen. "Wir erwarten, dass die bisherige Kultur einer ökologisch und sozial nachhaltigen Unternehmensführung für den Konzern prägend sein wird." Dann sei die Fusion eine große Chance.

Ähnlich äußerte sich die Landesregierung. "Wir sind auch ein bisschen stolz darauf, dass der weltgrößte Agro-Chemieanbieter seinen Sitz in NRW haben wird", sagte Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD). Zugleich forderte er: "Wichtig für die Zukunft des Industriestandorts und die Mitarbeiter wird sein, dass die Schlüsselkompetenzen in Forschung und Entwicklung in NRW verbleiben." Derzeit wird in Monheim und Frankfurt geforscht.

Bayer bringt in die Fusion sein starkes Pflanzenschutz-Geschäft ein, die Amerikaner das Geschäft mit gentechnisch verändertem Saatgut. Die Zentrale der fusionierten Agrochemie-Sparte bleibt in Monheim, von hier aus wird auch das weltweite Pflanzenschutzgeschäft gesteuert. Das Saatgut-Geschäft wird dagegen von St. Louis aus gelenkt, wo Monsanto sitzt.

Bayer will die Übernahme durch eine Kapitalerhöhung in Höhe von gut 17 Milliarden Euro finanzieren, für die verbleibenden 42 Milliarden nimmt Bayer Kredite auf. Die Bayer-Aktie hielt sich bei 93 Euro. Die Anleger hatten den Deal so erwartet.

Heftige Kritik kam dagegen von Greenpeace und anderen Umweltverbänden. "Diesen Deal darf es nicht geben. So entsteht ein übermächtiger Konzern, der den Welthunger nicht bekämpft, sondern verstärkt", kritisierten die Grünen-Politiker Anton Hofreiter und Katharina Dröge.

Quelle: RP
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