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Trotz Wirtschafts-Krise
Bayer will den Griechen weiter Medikamente liefern

Bayer will den Griechen weiter Medikamente liefern
FOTO: RPO
Düsseldorf. Eine Woche lang kommen die Menschen in Griechenland nicht mehr an ihr Geld, die Arznei-Rechnungen können viele von ihnen schon jetzt nicht mehr zahlen. Dabei kommen die meisten Pharmaprodukte aus dem Ausland. Von Antje Höning

Der Bayer-Konzern will aber trotz aller Turbulenzen weiter liefern: "Wir werden die Lieferung von Medikamenten nicht einstellen", erklärte ein Bayer-Sprecher. Man werde die Lage aufmerksam beobachten.

2012 und 2013 waren hohe Außenstände aufgelaufen. Per Gesetz wandelte die damalige griechische Regierung dann die Forderungen von Bayer an hellenische Kliniken und Unternehmen in staatliche Wertpapiere um, die der Leverkusener Konzern umgehend verkaufte. Im ersten Quartal 2015 waren die Außenstände aber nur noch gering. Auch der Darmstädter Pharmariese Merck liefert weiter an griechische Großhändler. "Wir bestehen auch nicht auf Vorkasse", betonte ein Merck-Sprecher.

Deutsche Unternehmen haben 2014 für 1,3 Milliarden Euro Pharma- und Chemieprodukte nach Hellas verkauft. Damit zählen sie nach Nahrungs- und Futtermitteln und noch vor chemischen Erzeugnissen zu den in Griechenland am meisten verkauften Waren "made in Germany". Der Leverkusener Konzern will die griechische Bevölkerung nicht hängenlassen. Auch der niederländische Molkerei-Konzern Friesland Campina ("Landliebe") will das Krisenland weiter beliefern und stockte in Erwartung von Hamsterkäufen seine Vorräte in Griechenland auf. Die Bestände von Kondensmilch und Babynahrung seien erhöht worden.

Für die humanitäre Lage in Griechenland sind ausländische Konzerne wichtig, für sie ist es der griechische Markt dagegen nicht. Verkäufe nach Griechenland tragen nur einen Anteil im Promille-Bereich zum Umsatz von Bayer bei. Gleiches gilt für die deutsche Wirtschaft insgesamt: Nur 0,5 Prozent der Exporte gehen nach Hellas. Damit liegt das Krisenland auf Rang 38 der Absatzmärkte - noch hinter Luxemburg und Irland. 180 Milliarden Euro betrug das griechische Sozialprodukt (BIP) 2014. Zum Vergleich: Das Sozialprodukt von NRW ist mit 600 Milliarden mehr als dreimal so hoch.

Der Außenhandelsverband erwartet für den Fall eines Austritts Griechenlands aus dem Euro, dass die Nachfrage nach deutschen Produkten zum Erliegen kommt. Denn die neue Währung, die die griechische Regierung dann ausgäbe, würde kräftig abwerten. Für Importe aus dem Ausland müssten Griechen viel mehr bezahlen. Griechische Exportwaren wie Oliven würden billiger.

Quelle: RP
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