| 08.23 Uhr

Berlin
Beim Parteitag verschiebt sich das Machtzentrum der CSU

Berlin. Markus Söder ist am Ziel: In Nürnberg wird er zum Nachfolger Horst Seehofers bestimmt. In der Partei drohen Reibungsverluste. Von Kristina Dunz und Gregor Mayntz

Eigentlich hatte Horst Seehofer den Ehrgeiz, den 1000 Delegierten heute im Nürnberger Messezentrum einen für die CSU erfolgreich verhandelten Jamaika-Koalitionsvertrag vorlegen zu können. Deshalb war der für Mitte November geplante Parteitag verlegt worden. Eine tonangebende, in Berlin mitregierende CSU, das wäre nach dem Geschmack der Christsozialen gewesen. Und eine Stärkung Seehofers. Nun muss er sich ohne diesen Erfolg der Wiederwahl stellen. Und ein triumphierender Rivale Markus Söder übernimmt.

Denn wichtiger noch als die Durchschlagskraft der CSU im Bund ist die Erleichterung der Basis darüber, dass der seit Jahren tobende Machtkampf um die Nachfolge Seehofers zumindest vorerst zu Ende zu sein scheint. Wollte Seehofer Söder lange mit aller Macht verhindern, hat es der Finanzminister mit hartnäckigem und zähem Wirken hinter den Kulissen geschafft, dass Seehofer ihm ab nächstem Frühjahr das Ministerpräsidentenamt überlässt. Der Parteitag in seiner Heimatstadt Nürnberg wird für Söder mit der Aufstellung als Spitzenkandidat zum Heimspiel.

Schon vor dem Start an diesem Freitag steht es 3:0 für ihn. Seit seiner Nominierung hat die CSU laut Insa-Demoskopen um drei Punkte auf 40 Prozent zugelegt. Schon ist vom "Söder-Effekt" die Rede, mit dem die CSU den Absturz auf 38 Prozent bei der Bundestagswahl vergessen machen will. Messlatte ist und bleibt die absolute Mehrheit.

Doch die zwischen Söder und Seehofer verabredete Doppelspitze mit dem Posten des Regierungschefs für Söder und dem des Parteichefs für Seehofer birgt Risiken. Der Erfolg bei der Landtagswahl hängt nämlich gleichermaßen von der Organisation des Wahlkampfs in der Verantwortung Seehofers wie vom Auftreten des Spitzenkandidaten Söder ab. In Nürnberg werden sich beide in neuer Harmonie zu präsentieren versuchen. Doch ob eine in vielen Jahren gewachsene Gegnerschaft mit vielen Fouls beiseite geschoben werden kann, wird eher bezweifelt.

Söder kann sich darüber freuen, dass Seehofer ihn bei den Jamaika-Verhandlungen von den Sondierungsrunden ausschloss. Das Scheitern geht deshalb auch nicht mit ihm nach Hause. Ähnlich wird Söder insgeheim froh sein, Seehofer noch nicht als Parteichef beerben zu müssen. So hat er einen, dem er nach einem Wahl-Misserfolg die Schuld zuschieben kann. Zudem ist eine Machtteilung nur auf dem Papier gegeben. Tatsächlich gibt es in der CSU drei Machtzentren: Staatskanzlei, Fraktion und Partei. Zwei davon besetzte bislang Seehofer, eines - die Fraktion - hatte sich Söder erobert. Nun verschiebt sich die Macht zulasten Seehofers. Der war es als unangefochtener Partei- und Regierungschef gewohnt, die CSU immer wieder neu zu positionieren. Und er konnte sich darauf verlassen, dass ihm alle in der Partei folgten. Das wird ihm aus einer Ein-Drittel-zu-zwei-Drittel-Perspektive nicht mehr möglich sein. Ob Seehofer sein Verhalten scharf zu verändern vermag, wird bezweifelt. Möglicherweise tritt er auch in die nächste Bundesregierung ein und konzentriert sich auf die Ministergeschäfte, wenn die Parteiarbeit mit zu viel Reibungsverlusten verbunden ist.

Derweil stellen sich die Kollegen auf den neuen Bayern-Chef ein. Der neue sächsische CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer unterstrich mit Blick auf die personelle Neuorientierung der CSU: "Mir liegt sehr viel an einem guten Verhältnis zur CSU und dem Freistaat Bayern." Er werde die enge Zusammenarbeit fortsetzen, die seine drei Vorgänger begonnen hätten.

Quelle: RP
 
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