Verantwortlich für Massaker: Beirut: Autobombe tötet Ex-Minister
zuletzt aktualisiert: 24.01.2002 - 16:26Beirut (rpo). Bei der Explosion einer Autobombe in Beirut sindder ehemalige libanesische Minister Elie Hobeika und fünf weitere Menschen getötet worden.
Der einstige Chef des Geheimdienstes der Christenmilizen gilt als einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker in den Palästinenserlagern von Sabra und Schatila 1982.
In Beirut wollte trotzdem zunächst niemand an einen späten palästinensischen Racheakt glauben. Stattdessen spekulierte man in libanesischen Sicherheitskreisen, der israelische Geheimdienst Mossad habe den Sprengsatz gezündet. Dieser habe den Ex-Minister daran hindern wollen, bei einem möglichen Prozess zu Sabra und Schatila in Belgien Beweise für die Schuld des israelischen Regierungschefs Ariel Scharon vorzulegen.
Scharons Büro lehnte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen am Donnerstag ab. Die Regierung in Jerusalem sprach von "Verleumdung". Außenminister Schimon Peres sagte dazu in den Niederlanden: "Wir haben uns doch nicht von libanesischem Boden zurückgezogen, um uns jetzt in die libanesische Politik einzumischen."
Der libanesische Militärstaatsanwalt, Nasri Lahoud, sagte, eine derartige Tat könne nur von "den Israelis" geplant worden sein. Der Sprengsatz sei in einer Mercedes-Limousine versteckt gewesen und genau in dem Moment explodiert, als Hobeika mit seinem Geländewagen vorbeifuhr, erklärte Lahoud. Suheil el Natour, Mitglied des Politbüros der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas meinte hingegen: "Er hatte viele Feinde... Wir schließen eine israelische Beteiligung an dem Attentat nicht aus, aber bislang kann keiner sagen, wer dahinter steckt".
Hobeika, der als Angehöriger der Christenmiliz während des libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990) erst mit den Israelis und später mit der Schutzmacht Syrern kooperiert hatte, war Anfang der Woche mit einer Delegation des belgischen Senats zusammengetroffen, Dieser hatte er Beweise für seine eigene Unschuld und eine direkte Beteiligung Scharons an dem Massaker angekündigt. Senator Vincent Van Quickenborne, der an dem Treffen teilgenommen hatte, sagte am Donnerstag, er wolle nicht ausschließen, dass ein Zusammenhang zwischen der Ermordung Hobeikas und dem israelischen Ministerpräsidenten bestehe.
Nach Informationen aus Polizeikreisen wurde Hobeika (45), der im Laufe der vergangenen 20 Jahre verschiedene politische Posten innehatte und zuletzt 1995 Elektrizitätsminister war, von der Wucht der Autobombe 50 Meter weit durch die Luft geschleudert. Mindestens sechs Passanten erlitten laut Polizei zum Teil schwere Verletzungen. Mehrere Häuser und zehn Autos wurden beschädigt.
Die belgische Justiz will voraussichtlich am 6. März entscheiden, ob sie der Klage von 23 Überlebenden aus Sabra und Schatila statt gibt und wegen des Massakers in den beiden Lagern ein Gerichtsverfahren gegen Scharon eröffnet. In Belgien können Verstöße gegen internationales Recht auch dann verfolgt werden, wenn es keine direkte Verbindung zu Belgien gibt.
Libanesische Milizionäre hatten im September 1982 unter den Augen der israelischen Armee das Massaker in den Palästinenserlagern verübt. Die Angaben über die Zahl der Opfer schwanken zwischen mehreren hundert bis 3000. Scharon war damals Verteidigungsminister.
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