Nach schweren Auseinandersetzungen vergangener Tage: Belfast: Wieder Soldaten im Einsatz
zuletzt aktualisiert: 06.07.2000 - 08:37Belfast (dpa). Nach schweren Auseinandersetzungen zwischen radikalen nordirischen Protestanten und den Sicherheitskräften hat die britische Regierung in der Nacht zum Donnerstag erstmals wieder Soldaten auf den Straßen von Belfast eingesetzt. Etwa 100 Soldaten unterstützten die Polizei bei Straßenschlachten mit Anhängern des pro-britischen "Oranier-Ordens". Sie protestierten in der dritten Nacht in Folge gegen ein Verbot ihrer traditionellen Siegesmärsche am kommenden Wochenende.
Polizisten und Soldaten wurden in verschiedenen Teilen Belfasts von den protestantischen Loyalisten mit Steinen und Molotowcocktails angegriffen. Drei Polizisten wurden verletzt, als sie erfolglos versuchten, einen Bus wegzufahren, mit dem die Anhänger der "Oranier" eine Straßensperre errichtet hatten. Nach Militärangaben wurden am Mittwoch 61 politische Gewaltakte in Belfast registriert, innerhalb von 24 Stunden mehr als während des gesamten vergangenen Jahres.
Ein Polizeisprecher betonte am Donnerstag morgen, es gebe keine Pläne, die vor zwei Jahren im Rahmen des Friedensabkommens für Nordirland beendeten routinemäßigen Patrouillen von Soldaten in den Straßen von Belfast wieder aufzunehmen.
Gemäßigte protestantische Politiker und auch Führer des "Oranier- Ordens" appellierten an die meist jungen Leute, die gewaltsamen Proteste sofort einzustellen. Der britische Nordirland-Minister Peter Mandelson erklärte in der Nacht zum Donnerstag, die Gewalt werde nicht dazu führen, dass die von den Katholiken als provozierend empfundenen protestantischen Triumphmärsche durch vorwiegend katholische Straßen wieder erlaubt werden.
Auch in Portadown in der nordirischen Grafschaft Armagh, einem Brennpunkt des Konfliktes zwischen den pro-britischen Protestanten und den republikanischen Katholiken, kam es zu einer Konfrontation mit den Sicherheitskräften. Britische Soldaten hatten innerhalb von wenigen Stunden einen sieben Meter hohen Drahtzaun gezogen, um die Protestanten am geplanten Marsch durch die vor allem von Katholiken bewohnte Garvaghy-Straße zu hindern. Protestanten verbrannten Autoreifen vor dem Zaun, versuchten jedoch nicht, diesen niederzureißen.
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