Berlusconi droht mit Massendemos bei Wahlniederlage: Benigni: Deutscher Schäferhund als Verteidungsminister
zuletzt aktualisiert: 14.05.2001 - 16:02Rom (rpo). Oscar-Preisträger Roberto Benigni hat mit ironischen Spitzen gegen den konservativen Spitzenkandidaten Silvio Berlusconi in Italien für erheblichen Wirbel gesorgt. Zur besten Sendezeit erklärte er im Fernsehen, im Falle eines Wahlsiegs werde der Medienzar vermutlich einen Deutschen Schäferhund zum Verteidigungsminister und Formel-eins-Weltmeister Michael Schumacher zum Verkehrsminister machen.
Der Regisseur des preisgekrönten Films "Das Leben ist schön" spielte damit offensichtlich auf Berlusconis Ankündigung an, Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo in sein Kabinett holen zu wollen.
"Ich bin nicht hier, um über Politik zu reden, ich bin hier, um über Berlusconi zu reden", sagte Benigni. Er ist nicht der einzige Intellektuelle, der sich öffentlich scharf gegen Berlusconi äußert. Auch Literaturnobelpreisträger Dario Fo und Umberto Eco haben sich in den vergangenen Tagen gegen einen nach Meinungsumfragen möglichen Sieg der rechtsgerichteten Allianz Berlusconis gewandt. Benigni sagte, er sei für den Mitte-links-Kandidaten Francesco Rutelli. Er lobte zudem den früheren Ministerpräsidenten Massimo D'Alema und sagte: "Ein Parlament ohne ihn ist wie Pizza ohne Mozzarella." D'Alemas Wahlkreis in Gallipoli gilt als einer der am härtesten umkämpften in der Wahl am Sonntag. Berlusconis Verbündete warfen der RAI vor, wenige Tage vor der Wahl eine Anti-Berlusconi-Show ausgestrahlt zu haben.
Berlusconi beendet Wahlkampf mit Drohung
Berlusconi beendete seine Wahlkampagne unterdessen mit einer Drohung. Wenn sein Parteienbündnis aus der Abstimmung an diesem Sonntag nicht siegreich hervorgehe, werde die Rechte zu Protestdemonstrationen aufrufen, drohte der italienische Milliardär und Medienzar. Zugleich rechnen Kommentatoren in Rom mit einem knappen Wahlausgang zwischen Berlusconi und seinem linken Gegenkandidaten Francesco Rutelli (46).
«Wenn sie (die politischen Gegner) uns nicht gewinnen lassen, werden wir zu Millionen auf die Straßen gehen», sagte Berlusconi in einer Talk-Show am Freitagabend. Erneut beschuldigte er die Linke, eine Lügenkampagne gegen ihn zu führen. Gleichzeitig versprach der Besitzer dreier privater TV-Kanäle, falls er regieren sollte, wolle er den Interessenkonflikt zwischen Geschäft und Politik innerhalb von 100 Tagen lösen. Einzelheiten verriet er nicht.
Führende Zeitungen aus dem Ausland hatten Berlusconi immer wieder vorgehalten, seine Fernseh-Anstalten und sein Vermögen 14 Milliarden Dollar disqualifiziere ihn für das Amt des Regierungschefs. Außerdem laufen mehrere Prozesse und Verfahren gegen ihn.
Die Wahl in Italien wird in europäischen Hauptstädten mit Spannung erwartet. Dort werden Berlusconis Bündnispartner mit Skepsis betrachtet. Der belgische Außenminister Louis Michel nannte Umberto Bossi (59), Chef der populistischen Liga Nord, unlängst einen «rechten Extremisten, der faschistische Ideen verbreitet».
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte schon vor Jahren Vorbehalte gegen Gianfranco Fini (49) angemeldet: Fini kommt aus der neofaschistischen Bewegung und nannte Ex-Diktator Mussolini noch 1994 einen der «größten Staatsmänner des Jahrhunderts». Fini würde in einer Regierung Berlusconi stellvertretender Ministerpräsident.
Dennoch rechnen politische Kommentatoren kaum mit Maßnahmen der EU gegen eine mögliche Regierung Berlusconi. Die niederländische Zeitung «de Volkskrant» meinte am Samstag: «Ein europäisches Vorgehen wie seinerzeit gegen die Koalition in Österreich ist bei einem Sieg des Berlusconi-Lagers nicht zu erwarten. Die Europäische Union hat von Österreich gelernt, dass man nicht übereilt Sanktionen beschließen darf. Eine neue Regierung muss nach ihren Taten beurteilt werden.»
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