Angeblich 15.000 Euro - Zentralrat erwägt Amtsenthebung: Bericht: Friedman akzeptiert Strafbefehl
zuletzt aktualisiert: 07.07.2003 - 21:28Frankfurt/Main (rpo). Nach übereinstimmenden Medien-Berichten wurde gegen Michel Friedman ein Strafbefehl wegen Kokain-Besitzes erlassen. Die Höhe soll 15.000 Euro betragen. Offenbar hat Friedman akzeptiert. Der Zentralrat der Juden erwägt im Falle einer Vorstrafe die Amtsenthebung seines Vizepräsidenten.
Knapp vier Wochen nach Beginn der Ermittlungen gegen Michel Friedman ist das Strafverfahren wegen illegalen Kokainbesitzes überraschend abgeschlossen worden. Dies teilte der Verteidiger des Fernsehmoderators und Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden am Montag in Frankfurt am Main mit, ohne Einzelheiten zu nennen.
Nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" und der "Financial Times Deutschland" wurde ein Strafbefehl erlassen. Die Höhe betrage 15 000 Euro, berichtet die in Hannover erscheinende "Neue Presse" (alle Dienstag) unter Berufung auf Berliner Justizkreise. Laut "Financial Times Deutschland" akzeptierte Friedman den Strafbefehl. Für Dienstagvormittag kündigte Anwalt Eckart Hild eine Pressekonferenz zusammen mit Friedman in Frankfurt am Main an.
Ein Strafbefehl wird oftmals bei geringfügigen Delikten oder einfach zu beurteilenden Sachverhalten erlassen, um eine aufwendige Hauptverhandlung zu vermeiden. Falls der Betroffene die Sanktion nicht akzeptiert, kommt es zur Verhandlung. Verhängt werden können Geldstrafen bis zu 360 Tagessätzen oder Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr mit Bewährung.
Die Berliner Staatsanwaltschaft wollte sich am Montag auf Nachfrage nicht zum Ausgang des Verfahrens äußern. "Wir wollen uns inhaltlich noch nicht äußern", sagte Justizsprecher Björn Retzlaff. Er machte keine Angaben dazu, ob ein rechtskräftiger Abschluss des Verfahrens auch eine Einstellung bedeuten könnte.
Die Staatsanwaltschaft war auf Friedman nach Zeitungsberichten bei Ermittlungen gegen einen Prostituiertenring aus Osteuropa gestoßen. Friedman soll in einem Berliner Hotel in Anwesenheit von Prostutierten mehrmals Kokain genommen haben. Im Zuge der Ermittlungen waren seine Frankfurter Privat- und Büroräume durchsucht und dabei drei fast leere Päckchen mit weißen Pulver-Rückständen sichergestellt worden. Seine Moderationen als Talkmaster beim Hessischen Rundfunk und in der ARD ließ Friedman auf eigenen Wunsch vorerst ruhen. Eine Reise mit dem Zentralrat der Juden nach Israel sagte er ab.
"Nicht sinnvoll in unserem Gremium"
Sollte Friedman nach Abschluss des Verfahrens vorbestraft sein, rechnet das Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, Nathan Kalmanowicz, mit einer Amtsenthebung seines Vizepräsidenten. "Sollte der Kollege Friedman vorbestraft sein, dann ist es natürlich nicht politisch sinnvoll und auch nicht in Ordnung für uns, dass ein Kollege, der vorbestraft ist, in dem Gremium sitzt", sagte Kalmanowicz dem Sender N24. Im Falle einer Vorstrafe werde sich der Zentralrat am kommenden Sonntag mit der Frage befassen und Friedman von seinen Ämtern entheben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

