Israel belagert Mönche seit Tagen: Bethlehem: Franziskaner bitten EU um Hilfe
zuletzt aktualisiert: 11.04.2002 - 13:58Brüssel (rpo). Eine dramatische Bitte hat die Europäische Union aus Bethlehem erreicht. Die von Israel belagerten Franziskaner-Mönche im Kloster in Bethlehem sind völlig am Ende und benötigen dringend Hilfe.
Die EU hat Israel aufgefordert, die seit mehr als einer Woche andauernde Belagerung des Franziskanerklosters in Bethlehem zu beenden und die Versorgung der eingeschlossenen Mönche mit Strom und Wasser zu garantieren. "Ich hoffe, dass den Heiligen Stätten aller Religionen der nötige Respekt erwiesen wird", sagte Kommissionspräsident Romano Prodi am Donnerstag in Brüssel. Am Morgen habe er einen Anruf des Franziskaner-Mönches David Jäger aus Bethlehem erhalten, der die Situation vor Ort als "verzweifelt und dramatisch" beschrieben habe.
Das Kloster Casa Nova wird von Israel im Unterschied zu dem katholischen Orden nicht als Teil der zur Geburtskirche gehörenden Anlage betrachtet. In der Kirche haben sich seit dem 2. April mehr als 200 bewaffnete Palästinenser verschanzt, deren Kapitulation von Israel verlangt wird. Prodi sagte, die Franziskaner befürchteten, dass das Kloster jederzeit von der israelischen Armee gestürmt werden könnte. Er verstehe zwar die Sicherheitsinteressen Israels, humanitäre Standards müssten aber selbst in diesen Zeiten gewahrt werden.
Jäger sagte in Bethlehem: "Die Situation ist sehr schwierig." Die Franziskaner seien Opfer eines Konflikts, an dem sie nicht beteiligt seien. "Wir gehören zu keiner Seite. Wir sind Mönche, Schwestern und Brüdern."
In der Abtei sind rund 40 Franziskaner sowie armenische und griechische Mönche eingeschlossen. Die Leiche eines vor Tagen erschossenen Palästinensers könne nicht evakuiert werden und verwese innerhalb der Anlage, sagte Prodi. Internationalen Hilfsorganisationen sei der Zugang versperrt.
Verhandlungen über ein Ende der Belagerung erbrachten am Donnerstag zunächst keine Fortschritte. Die Palästinenser wollen ihren freien Abzug unter dem Schutz internationaler Diplomaten erreichen. Die israelische Regierung hatte am Mittwoch beschlossen, die Belagerung der Kirche solange fortzusetzen, bis sich die palästinensischen Kämpfer ergeben haben.
Eine Untersuchung der israelischen Streitkräfte ergab unterdessen, dass ein am Mittwoch verletzter armenischer Mönch von der Kugel eines israelischen Soldaten getroffen wurde. Ein Militärsprecher hatte zunächst den Palästinensern die Schuld für den Vorfall gegeben.
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