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Zunächst Geständnis widerrufen: Bewährungsstrafen für Anschlag auf Buchenwald-Gedenkstätte

zuletzt aktualisiert: 18.10.2000 - 16:25

Weimar (AP). Wegen eines Anschlags auf die KZ-Gedenkstätte Buchenwald sind am Mittwoch zwei Rechtsextreme zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt worden. Das Jugendschöffengericht Weimar verurteilte den 20-jährigen Angeklagten Thomas F. (Foto) zu einer Jugendstrafe von acht Monaten, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Sein 22-jähriger Komplize Ralf W. erhielt eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten.

Beide müssen zudem jeweils 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und die Kosten des Verfahrens tragen. Sie wurden wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen und gemeinschädlicher Sachbeschädigung verurteilt. Beide hatten ihre Tatbeteiligung vor Gericht gestanden.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer zehn Monate beziehungsweise sechs Monate Haft gefordert. Der Staatsanwalt sagte, durch die Schändung der Gedenkstätte am Vorabend des Tages der Einheit sei der Bundesrepublik Deutschland ein großer Schaden entstanden. Die Verteidigung hatte für den 20-jährigen Thomas F. eine sechsmonatige Bewährungsstrafe verlangt. Für den 22-jährigen Ralf W. hatte sie eine Geldstrafe vorgeschlagen.

Zu Prozessbeginn hatte der jüngere Angeklagte sein gegenüber der Polizei abgelegtes Geständnis zunächst widerrufen, dann räumte er die Tat aber doch ein. Ein Freund sagte als Zeuge aus, der 20-jährige Thomas F. habe ihm noch am Tag der Tat einige der Schmierereien und auch die Schäden an der Halle gezeigt und sich mit den Worten "Das waren wir" selbst bezichtigt.

Der 22-jährige Ralf W. aus Sömmerda sagte: "Irgendeiner von uns kam auf die Idee, Mist zu machen. Da ist das Wort Buchenwald gefallen. Da habe ich gesagt, das dürfen wir nicht." Der 20-jährige Thomas F. bestätigte die Version seines Komplizen, wonach dieser hauptsächlich zugeguckt und Schmiere gestanden habe.

Zuvor hatte er sein Tatgeständnis bereits zum zweiten Mal widerrufen. Er sei von der Polizei unter Druck gesetzt worden, sagte er zur Begründung. So habe man ihm gesagt, wenn er nicht gestehe, drohe ihm der Verlust seiner Lehrstelle. Nach Darstellung seines Komplizen Ralf W. hatten beide während der Untersuchungshaft zunächst verabredet, jede Beteiligung zu leugnen. Dies habe er aber nicht durchgehalten. Nach dem Geständnis gehe es ihm nun besser, sagte er vor Gericht.

Beide Angeklagten absolvieren laut Staatsanwaltschaft in Husum in Schleswig-Holstein eine Ausbildung in einem technischen Beruf, sind nicht vorbestraft und kommen aus geordneten Verhältnissen. Sie gehören nach eigenen Angaben der rechtsextremistischen Szene an. Dem 20-Jährigen wird außerdem eine Hakenkreuzschmiererei auf ein Verkehrsschild im Kreis Weimarer Land zur Last gelegt.

Im Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar kamen zwischen 1937 und 1945 rund 56.000 Menschen ums Leben, darunter mindestens 11.000 Juden. Insgesamt hatten die deutschen Nationalsozialisten dort rund 263.000 Menschen aus mehr als 30 Ländern inhaftiert, vor allem Russen, Polen und Franzosen.

Quelle: RPO Archiv

 
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