ÖTV-Proteste in 112 Städten: Billiganbieter im Nahverkehr befürchtet
zuletzt aktualisiert: 18.02.2000Stuttgart (AP). In 112 deutschen Städten haben am Freitag die Beschäftigten des öffentlichen Nahverkehrs für einen fairen Wettbewerb und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. In Bremen, Hannover und Suhl blieben die Busse und Bahnen fünf Minuten stehen, wie die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) in Stuttgart mitteilte. ÖTV-Vorstandsmitglied Jan Kahmann warnte auf der zentralen Kundgebung in Hannover vor der Gefahr eines hemmungslosen Wettbewerbs.
Es sei zu befürchten, dass Billiganbieter mit Dumpinglöhnen und veralteten Fahrzeugen auf den Markt drängten und die Gemeinden, nur um ihre Haushalte zu sanieren, solchen Unternehmen den Zuschlag erteilten. Sicherheit, Pünktlichkeit und Sauberkeit blieben dabei für die Kunden auf der Strecke. Kahmann warnte auch vor einer Privatisierung des öffentlichen Nahverkehrs. Dort ließen sich nun mal keine Gewinne machen, sagte er.
In Kiel machten die Busfahrer ihrem Unmut Luft. 33 Fahrzeuge fuhren in einem Korso durch die Stadt bis zum Verkehrsministerium. An der dortigen Kundgebung nahmen den Angaben zufolge rund 200 Busfahrer teil. In Hamburg wurden vor einigen Bahnhöfen rund 70.000 Flugblätter verteilt. In Deutschland sind nach Angaben der ÖTV in rund 350 öffentlichen Verkehrsunternehmen 130.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Das ÖTV-Vorstandsmitglied sagte, die Grundlage für die Ausschreibung von Leistungen im Nahverkehr müssten Qualitäts- und Sozialstandards sein. Dazu gehörten Alter und technische Ausstattung der Fahrzeuge, besonders im Hinblick auf Lärm und Abgase, sowie ein qualifiziertes und ausreichendes Personal, um den Linienverkehr auch in Engpässen zuverlässig betreiben zu können. Außerdem seien die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten und der geltenden Tarifverträge sicherzustellen.
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