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Trier
Bischöfe wollen Frauen in der Kirche besser fördern
Trier. Eine Woche nach dem vatikanischen "Blitzeinschlag" in die römische Weltkirche beschäftigen sich 66 deutsche Erzbischöfe, Bischöfe und Weihbischöfe mit dem Feuer unterm Dach der heimischen katholischen Kirche. Zum Auftakt der viertägigen Frühjahrsvollversammlung, an der auch die fünf Kardinäle und Konklave-Teilnehmer Joachim Meisner (Köln), Rainer Maria Woelki (Berlin), Reinhard Marx (München-Freising), Karl Lehmann (Mainz) sowie Walter Kasper teilnehmen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), gestern in Trier, man werde sich den Fragen stellen: "Wie stehen wir als Kirche in der Öffentlichkeit da? Und: Wie reagieren wir auf die Kritik?" Von Reinhold Michels

Zollitsch, der innerhalb der Bischofskonferenz zum moderaten Flügel zählt, kündigte an, dass sein Freiburger Erzbistum noch in diesem Jahr einen Plan zur Förderung von Frauen im kirchlichen Dienst beschließen wolle. In Trier solle darüber debattiert werden, ob ein solcher Frauen-Förderplan auch für die gesamte katholische Kirche in Deutschland infrage kommt. Der Generalvikar der Diözese Münster, Norbert Kleyboldt, hatte am Morgen von einem Nachholbedarf an weiblichen Führungskräften in der Bistumsverwaltung gesprochen. Zollitsch machte seinerseits klar, dass es keine Bewegung in Richtung Weiheämter für Frauen geben werde: "Für uns ist klar, die Priesterweihe gibt es nur für den Mann." Zollitsch erteilte auch allen Versuchen bestimmter Protestgruppen eine Absage, die Tagesordnung der Frühjahrsvollversammlung zu durchkreuzen und mit deren Teilnehmern über sogenannte innerkirchliche heiße Eisen zu diskutieren. Man könne sich, so Zollitsch, nicht Termine aufdrängen lassen und jeder Einladung Folge leisten.

Er appellierte an den guten Willen aller Kritiker, nicht nur das Schlechte, was in der Kirche geschehen sei (Stichwörter: Missbrauchs- und Kölner Klinikskandal), zu sehen, sondern auch das viele Gute, beispielsweise im karitativen Bereich. In dem Zusammenhang erinnerte der Erzbischof in seiner abendlichen Predigt im Trierer Dom an die verehrungswürdigen "Heiligen der Nächstenliebe", die sich in besonderer Weise der Not der Menschen annahmen. Deshalb schmerze es sehr, wenn Hilfesuchende nicht die Aufnahme fänden, die sie von kirchlichen Einrichtung erwarteten.

Damit spielte Zollitsch auf den Kölner Klinikskandal und die Debatte um die "Pille danach" für Vergewaltigungsopfer an. Es zeichnet sich ab, dass die Trierer Vollversammlung dem Beispiel des Kölner Erzbischofs, Kardinal Joachim Meisner, folgen und die Ausgabe der "Pille danach" in katholischen Krankenhäusern gutheißen wird.

Quelle: RP
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