| 08.16 Uhr

Al Arisch
Blutbad beim Freitagsgebet

Al Arisch. Ein Anschlag auf eine Moschee in Ägypten fordert mindestens 235 Tote. Von Hany Danial

Bei dem opferreichsten Anschlag islamistischer Extremisten auf ägyptische Zivilisten sind gestern mindestens 235 Menschen getötet worden. Mehrere Attentäter griffen während der Freitagsgebete eine Moschee auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel an, indem sie Sprengsätze zündeten und das Feuer auf die Gläubigen eröffneten. Die Opferzahl wird vermutlich noch weiter steigen. Rund 130 Verletzte kamen in Krankenhäuser, wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena unter Verweis auf offizielle Quellen berichtete. Zu der Tat bekannte sich bisher niemand.

Der Anschlag richtete sich gegen die Al-Raudah-Moschee in der Stadt Bir al Abd, die rund 40 Kilometer von der Hauptstadt des nördlichen Sinai, Al Arisch, entfernt liegt. Das Gotteshaus wird von Anhängern des Sufismus besucht, einer mystischen, friedlichen Strömung des Islam. Islamistische Kämpfer wie diejenigen des auf dem Sinai aktiven Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat betrachten Sufisten als Ketzer. Der lokale IS-Ableger verübt seit Jahren vermehrt Gewalttaten auf dem nördlichen Sinai. Er hat sich auch zu tödlichen Bombenanschlägen auf Kirchen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo und in anderen Städten bekannt. Dabei wurden Dutzende Christen getötet. Die Extremisten sollen auch hinter dem Abschuss eines russischen Passagierflugzeugs stecken, bei dem im vergangenen Jahr 226 Menschen ums Leben kamen.

Während die Extremisten zuletzt vor allem Polizisten und Soldaten attackiert hatten, stellte die gestrige Tat den ersten großen Anschlag auf ein muslimisches Gotteshaus dar. Das dramatische Blutbad stellte jeden vorherigen Angriff dieser Art in den Schatten. Nach Angaben von Polizisten schossen die Angreifer aus vier Geländewagen auf die Gläubigen, als gerade die Predigt gehalten wurde. Laut Augenzeugen trugen die Terroristen Militäruniformen. Sie sprengten demnach Fahrzeuge in die Luft, um so mögliche Fluchtwege rund um die Moschee zu versperren.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al Sisi verurteilte den Anschlag ebenso wie US-Präsident Donald Trump und Staats- und Regierungschefs zahlreicher anderer Länder. Die Tat werde nicht unbestraft bleiben, sagte al Sisi am Abend in einer Fernsehansprache. Er verkündete eine dreitägige Staatstrauer und will sich nun mit dem nationalen Sicherheitskabinett beraten. Awad Chafik, internationaler Berater für den Nahen Osten und Rechtsanwalt, kritisierte gegenüber unserer Redaktion das Antiterrorgesetz in Ägypten. "Es ist ein Misserfolg und demnach mitverantwortlich für diesen Anschlag."

(RP/ap)
 
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