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Russen haben Kriegsgebiet nicht unter Kontrolle: BND: Lage in Tschetschenien gefährlich zugespitzt

zuletzt aktualisiert: 16.04.2000 - 13:09

Hamburg (dpa). Nach Erkenntnissen des Bundesnachrichtendienstes BND hat sich die Lage in Tschetschenien und in der gesamten Kaukasus- Region "gefährlich zugespitzt". Wie die "WELT am SONNTAG" aus BND- Führungskreisen erfuhr, hat der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKG) des Bundestages in der abgelaufenen Woche ein "ungeschminktes Bild der Lage" vorgetragen.

Hanning habe betont, mit den russischen Geheimdiensten seien "keine praktischen Fragen der Zusammenarbeit erörtert worden". Hanning dementiert Meldungen, denen zufolge der BND eine Horchstation im Pamir-Gebirge unterhalte, dass Deutschland ein Ruheraum für tschetschenische Rebellen sei und dass der im ersten Tschetschenienkrieg schwer verletzte und vor zwei Monaten von den Russen gefangen genommene Feldkommandant Salman Radujew in Deutschland operiert worden sei.

Nach Informationen der Sonntagszeitung aus dem BND haben die Russen die Lage im Kriegsgebiet bisher nicht unter Kontrolle. Spätestens im Frühsommer könne sich der Krieg in weitere Randgebiete der russischen Föderation und nach Georgien ausweiten. Nach Informationen des BND und anderer westlicher Nachrichtendienste operiert Russland in Tschetschenien mit insgesamt etwa 45.000 Mann, von denen nur 20.000 wirkliche Kampftruppen seien.

Nötig für diesen Krieg seien hochprofessionelle Kleinkriegs- Einheiten für Kommandounternehmen. Russland könne auf Grund mangelnder Reserven inzwischen offenkundig aber nicht einmal mehr die wenigen in Tschetschenien eingesetzten und völlig erschöpften Spezialeinheiten ersetzen. Es habe auch kaum noch computergesteuerte "intelligente" Munition für den zielgenauen Einsatz.

Hinter den Islamisten in Tschetschenien stehen nach Erkenntnissen des BND "die afghanischen Gotteskrieger der Taliban und der global operierende Terrorist Bin Laden sowie Gruppen regelrechter islamistischer Legionäre". Die tschetschenischen Rebellen gingen nach afghanischem Vorbild mit äußerster Grausamkeit vor und folterten oder töteten russische Gefangene mit brutalsten Methoden.

Quelle: RPO Archiv

 
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