Sprachsoftware erkennt Begriffe nicht mehr: BND verschläft die Terrorismusbekämpfung
zuletzt aktualisiert: 26.09.2001 - 16:56München/Hamburg (rpo). Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat potenzielle Terroristen über längere Zeit nicht mehr mit speziellen Abhörtechniken überprüft.
Das berichtet die Wochenzeitung "Die Zeit" in ihrer neuesten Ausgabe. Nach einem Bericht der "Zeit" löschte die BND-Abteilung "Technische Beschaffung" Anfang 1998 in ihrer Spracherkennungs-Software alle 500 Terror-Suchbegriffe. Eine Sprecherin des BND bestätigte der dpa am Mittwoch, es sei tatsächlich zeitweise auf die Verwendung der Suchbegriffe verzichtet worden.
Anhand dieser Schlagworte filtert das Programm Hinweise auf geplante Anschläge aus dem internationalen Telefonverkehr heraus. Die Einsparmaßnahme sei damals mit "geringem Ertrag" begründet worden, berichtet "Die Zeit". Theoretisch hätten Terroristen seitdem von Deutschland aus unbemerkt transatlantische Operationspläne schmieden können, so der Bericht. Erst seit wenigen Monaten durchsiebe der BND den Leitungs- und Funkverkehr wieder nach Schlüsselbegriffen wie "Stinger" oder "Kalaschnikow". Nach wie vor herrsche allerdings ein Mangel an Mitarbeitern, die die Gespräche auswerten.
Die Sprecherin des BND sagte zu dem Bericht, die Behörde mit Sitz in Pullach bei München habe seit 1998 die so genannte "Beschränkungsanordnung" nicht mehr beantragt. Sie dient als Grundlage für die Genehmigung zum Verwenden der Suchbegriffe. "Seit einiger Zeit" werde aber wieder mit dieser Abhörtechnik gearbeitet.
Der BND erfasst von den täglich rund acht Millionen Telefonaten zwischen Deutschland und dem Ausland etwa 15 000. Nur etwa 700 Gespräche enthalten möglicherweise Anhaltspunkte für eine Gefährdung der nationalen Sicherheit. Die Experten des BND könnten allerdings pro Tag maximal 15 dieser Meldungen genau untersuchen, schreibt "Die Zeit" weiter.
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